Wir leben in einer patriarchalen Welt. Sexismus und Frauenhass sind tief verankerte Probleme. In einem System, in welchem Frauen von Männern oft weiterhin klein gehalten, verurteilt, teils verhasst werden, müssen Frauen zusammenhalten, gemeinsam dagegen angehen. Doch manchmal ist das nicht der Fall. In einer Gesellschaft, in welcher Sexismus seit Jahrhunderten strukturell verwurzelt ist, machen misogyne Gedanken auch vor den Köpfen der Frauen nicht halt.
Von Celia Thor
Was genau bedeutet internalisierte Misogynie?
»Ich bin nicht so wie andere Frauen.«, »Mit so einer kurzen Hose würde ich mich ja nicht raustrauen.«, »Ich komme besser mit Männern klar, Frauen sind einfach viel zu zickig.«
Aussagen, die wahrscheinlich jeder schon einmal gehört oder sogar selbst getätigt hat. Hierbei handelt es sich um internalisierte Misogynie. Doch was genau ist das eigentlich? Misogynie bedeutet Frauenfeindlichkeit, sie hat die Abwertung des Weiblichen zum Gegenstand. Bei internalisierter Misogynie geht es folglich um den von Frauen verinnerlichten Frauenhass, um ein tief verankertes Denkmuster.
Wie kommt es dazu?
Das Phänomen der internalisierten Misogynie ist den Strukturen unserer Gesellschaft geschuldet, den Geschlechterrollen, die wir alle kennen und an welche wir uns größtenteils mehr oder weniger anpassen, oft nur unterbewusst und ungewollt. Frauen sind schwächer als Männer, sie sind emotionaler, sie sind der fürsorgliche Part, sie sind die, die sich anpassen sollen. Nur um ein paar stereotypische Beispiele zu nennen. Medien spielen hier eine riesige Rolle: Sie greifen diese Geschlechterrollen auf und beeinflussen uns so schon in jungem Alter. So sind etwa Prinzessinnen in Märchen zumeist brav und lieb, während sie auf die Rettung durch den starken Prinzen warten. Auch die Erziehung im Elternhaus und die generelle Sozialisierung haben einen enormen Einfluss auf unsere Denkmuster. Verhält sich eine Frau nicht im für sie sozial anerkannten Rahmen, eckt sie an. Sie muss mit verurteilenden, teils bösen Kommentaren rechnen. Diese kommen von Männern, aber eben auch von Frauen. So sieht eine andere Frau »billig« aus, weil der Rock zu kurz ist. Oder aber sie ist »nervig«, weil sie »zu laut« ist und eine scheinbar zu starke Meinung hat. Man kann ja gar nicht mehr normal mit ihr reden. Auch Schönheitsideale beeinflussen uns. So wird eine Frau schnell mal als »ungepflegt« bezeichnet, ihre Beine sind schließlich nicht rasiert.
Was sind die Folgen?
Um in der Gesellschaft akzeptiert zu werden, sind Frauen oft gezwungen, sich anzupassen. Das führt häufig zu Identitätsproblemen, da sie nicht sie selbst sein können, sondern eine Rolle in der Gesellschaft einnehmen. Dadurch entsteht eine Unzufriedenheit. Vielleicht ist der Hass gegenüber anderen Frauen oft auch eine Art von Neid, da diese nicht die Rolle spielen, die sie doch eigentlich spielen sollten. Ein Neid, gegen den die wenigsten immun sind. Aber auch überhöhte Selbstkritik und Hass gegen sich selbst kann eine Folge sein. So betrachten viele Frauen ihren Körper mit einem geradezu verachtenden Blick. Oder man schämt sich, nachdem man vermeintlich zu laut oder zu dominant war. Frauen unterschätzen ihre Fähigkeiten, sie präsentieren sich zurückhaltender in Bewerbungsgesprächen oder auch in Seminaren. Sie trauen sich oft weniger zu.
Wie werde ich frei von solchen Denkmustern?
Man muss ehrlich mit sich sein. Wahrscheinlich hatte jede Frau schon einmal einen misogynen Gedanken, das kann auch ganz ungewollt sein. Diese Denkmuster zu hinterfragen, ist schon ein großer Schritt in die richtige Richtung. Man muss sich mit der Frage beschäftigen, was der Ursprung eines solchen Gedankens ist. Wieso verurteilen wir gerade eine andere Frau? Haben wir wirklich einen validen Grund oder handelt es sich doch wieder um eine internalisierte Feindlichkeit gegen das eigene Geschlecht? Das, was wir brauchen, ist mehr weibliche Solidaritätserklärung.
Titelbild © Olivia Rabe
Quellen:
https://www.goethe.de/prj/zei/de/art/22556586.html

