All diese feinen Leute!

All diese feinen Leute!
Wo wollen denn all diese feinen Leute hin? Das fragt man sich auch, wenn man an einem sommerlichen Abend einer Das Schiff der Träume Vorstellung am Bismarckplatz sitzt. Die Antwort ist klar: ins Theater! Aber man stockt. Warum sind hier plötzlich so viele schwarz gekleidete Menschen? Warum steht da ein Sarg mitten auf dem Platz?

von Milena Brey

Schnell wird klar, dass es sich bei Das Schiff der Träume nicht um eine gewöhnliche Theaterproduktion handelt: Die Zuschauenden werden gebeten früher zu kommen und sich Bändchen abzuholen, denn alle werden in drei verschiedene Gruppen eingeteilt. Dann geht es auch schon los – aber nicht wie sonst im Zuschauer:innenraum, sondern mitten auf dem Bismarckplatz. Denn die Zuschauenden werden Teil einer Beerdigung: der Beerdigung der Operndiva Edmea Tetua (Theodora Varga). Zusammen mit den weiteren Trauergästen begibt sich das Publikum nun auf das Schiff, ins Theater – von dem aus die Asche von Edmea Tetua verstreut werden soll. Die nächste Station befindet sich im Neuhaussaal, denn dort wurde aufgetischt: Die Freunde und Bekannte der Operndiva sitzen an einer großen Tafel, ein aufgeregter Reporter (Paul Wiesmann) führt vorsichtig Interviews und versucht dabei die erhabenen Gäste des Schiffes nicht zu kränken. Nun wird das Publikum aufgeteilt: Die nächsten drei Stationen werden getrennt besichtigt. Dabei wird die Theaterbar zu einer Schiffsbar umfunktioniert und im oberen Geschoss finden wir auf einmal ein Ballettzimmer in dem der Graf fleißig Übungen macht. Die spannendste Station ist wohl die, bei der das Publikum und die Schauspieler auf einmal Perspektiven tauschen: Nun sitzen die Zuschauer auf der Bühne, mit ihnen der Sarg. Der Liebhaber (Joscha Eißen) von Edmea Tetua trauert um sie, mit einem transparenten Tuch werden Bilder eines Beamers aufgefangen, die Bilder der Verstorbenen zeigen. Durch das dunkle, sanfte Tuch wirkt es, als würde die Bilder im Raum schweben. Dann treten auf einmal die Schiffsgäste auf und trällern um die Wette bis sie plötzlich von Flüchtlinge unterbrochen werden, auf das Schiff gelangen sind. Der Abend endet mit einem fulminanten Finale in alter Gewohnheit: die Zuschauer auf ihren Plätzen und die Schauspieler auf der Bühne. Wird es das Schiff wieder sicher in den Hafen schaffen?

Anna Kiesewetter & Ensemble © Tom Neumeier Leather

Rettungsringe im Theater Foyer?

Sobald das Publikum das Theater betritt, fällt auf, dass es anders aussieht als sonst: Es hängen Blumen und Girlanden an der Decke und an dem Geländer der Treppe zum Neuhaussaal hin wurden Taue und Rettungsringe befestigt. Der Hausmeister des Schiffes kehrt noch den letzten Dreck zusammen, auf dem Weg zurück ist dann alles blitz und blank. Die Bilder, die das Theater Regensburg auf der Bühne kreiert sind einzigartig und mitreißend. In welchem Raum des Schiffes man sich auch befindet – immer wird die Stimmung mit kunstvoller Klaviermusik bereichert. Nicht nur die Klaviermusik befindet sich überall im Haus. Gleich zu Beginn, noch auf dem Bismarckplatz versammelt, schauen die Zuschauer nach oben – denn hier spielt die Musik – nicht wie sonst im Orchestergraben. Vom Balkon aus begleitet das Orchester die Trauerszene mit Verdi. Beim Finale im Theatersaal unterstützt der Opernchor das Orchester von der dritten Lounge aus: So drängt die Musik von allen Seiten in die Ohren der Zuschauer:innen.

Gibt es überhaupt einen besseren Saisonschluss für die Spielzeit 24/25?


Weitere Informationen zum Stück gibt es auf der Website des Theater Regensburg (Theater Regensburg – Das Schiff der Träume)

Die Vorstellung wurde mit Pressekarten besucht. 

Beitragsbild: Joscha Eißen & Ensemble © Tom Neumeier Leather

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