Am Dienstag im Studikino | Von Grizzlys, Glass und wilden Kerlen

Am Dienstag im Studikino | Von Grizzlys, Glass und wilden Kerlen

Mal kämpft er mit einer ausgewachsenen Bärin, mal schleppt er sich blutend und keuchend mit einem unbeugsamen Lebenswillen durch die eisige Wildnis South Dakotas. In Alejandro G. Iñárritus Western »The Revenant« verkörpert Leonardo Di Caprio mit schauspielerischer Brillianz den Trapper »Hugh Glass«, der ein klares Ziel verfolgt.

Filmrezension»The Revenant – der Rückkehrer« ist ein Film der Extreme. Im Nordamerika des 19. Jahrhunderts bahnt sich eine Gruppe Pelzjäger ihren Weg durch Wälder und Schneestürme und überquert auf der Suche nach Wild eisige Flüsse, kämpft mit verfeindeten Indianer-Völkern und vor allem mit der Natur. Einer von ihnen ist Hugh Glass (Di Caprio), der lange Zeit mit Indianern zusammenlebte, bis seine Frau bei einem Überfall von Soldaten getötet wurde. Kurze Zeit später schließt er sich dann mit dem gemeinsamen Sohn der »Rocky Mountain Fur Company« an, einer Gruppe Männer, die ihr Leben dem wirtschaftlich florierenden Pelzhandel und der Jagd danach verschrieben haben.  Hawk (Forrest Goodluck), Glass’ Sohn wird von den meisten zwar akzeptiert, hat jedoch oft mit rassistischen Kommentaren und Misstrauen seitens der anderen zu kämpfen, was in einer späteren Schlüsselszene deutlich wird.
Während einer der Expeditionen wird Glass’ auf seiner Erkundungstour durch die Wälder von einer wütenden Bären-Mutter angegriffen, ringt in einem grausamen Todestanz mit dem fast 200 kg schweren Tier, wird herumgeschüttelt, gebissen und zerkratzt. Mit letzter Kraft schafft er es, sie mit dem Messer zu töten und schleppt sich schwerverletzt über das nasse Moos, wo er einige Zeit später von seiner Truppe gefunden wird. Unschlüssig, was man nun mit Glass’, der unfähig zu laufen nur auf einer notdürftig gebauten Trage bewegt werden kann, machen soll, melden sich zwei der Trapper (Tom Hardy und Will Poulter), um auf den Schwerverletzten aufzupassen. Kurze Zeit später kommt es allerdings zu einem dramatischen Zwischenfall, der den gesamten Verlauf des Filmes mitbestimmen wird. Der durch den Kampf mit der Bärin  immer noch schwer in Mitleidenschaft gezogene Glass begibt sich daraufhin auf einen Rachefeldzug, der seines Gleichen sucht. Er schleppt sich keuchend und halb erfroren über den Boden, ernährt sich von rohem Fisch und glitschiger Bisonleber und schient sein gebrochenes Bein einfach selbst.

Manchmal ist er der Kamera so nahe, dass die Linse beschlägt

Es fühlt sich fast so an, als würde man durch die Kinoleinwand hindurch mitten in das wilde, ungezähmte South Dakota gezogen werden. Als Di Caprios Charakter Hugh Glass in einer Szene auf der Flucht  in einen reißenden Fluss springen muss, kann man das eisige Wasser fast spüren. Manchmal ist er der Kamera so nah, dass die Linse beschlägt. Das verdankt der Film neben Iñárritu und der hochklassigen Schauspielkunst der Darsteller vor allem einem: Emmanuel Lubezki. Der mexikanische Kameramann, der auch schon bei Terrence Malick-Filmen wie The Tree of Life oder Knight of Cups mitwirkte, schafft es, die Natur in »The Revenant« momumental und furchteinflößend zugleich darzustellen. Durch lange Kamerafahrten und Panorama-Aufnahmen entsteht eine ganz besonders starke Atmospäre, das eigene Zeitgefühl verschwimmt und die Erhabenheit der Natur ist in jeder Szene präsent. Die Kamera scheint beinahe zu schweben,  gleitet in langen Szenen über Schnee, kristallklare Seen, verwüstete Dörfer und die Landschaften South Dakotas.

Es steht außer Frage, dass es sich bei Iñárritus Überlebens-Drama um einen einzigartigen und brillanten Film handelt, der zwar in manchen Szenen etwas langatmig erscheint, aber auch genau durch diese langen Momente der Stille besticht und den Zuschauer förmlich mitreißt.

 

Das Studikino zeigt »The Revenant – der Rückkehrer« am Dienstag, 05. Juni 2016, ab 20 Uhr im Hörsaal H2.

Grafik: Anna Jopp

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