Die Big Bang Hysterie

2012 – Weltuntergang, Humbug oder nur der schlechteste Film von Roland Emmerich? Die Annahme, dass 2012 das Ende der Welt eintritt, geht nicht auf eine verrückte religiöse Einstellung zurück. Dieser Gedanke wurde in der präkolumbianischen Hochkultur der Maya geboren.

Zu Zeiten der Jahrtausendwende wurde schon eine Hysterie um einen Weltuntergang ausgelöst – und es geschah nichts. Jetzt, 12 Jahre später, werden in den Medien wieder neue Endzeittheorien entfacht. Es gibt viele Quellen für eine mögliche Apokalypse im Jahr 2012: Die konfusen Prophezeiungen des Nostradamus, wissenschaftliche Anhaltspunkte und schließlich die Wegbereiter für diese Hysterie, die Maya. Auf was gründet sich ihre Theorie? Und lässt sich ihre Weltuntergangstheorie wissenschaftlich beweisen?

 

Das indigene Volk, das in Mittelamerika angesiedelt war, führte sein Leben nach einer besonderen Zeitrechnung, dem sogenannten Maya-Kalender. Dieser besagt, dass am 21. Dezember 2012 ein bedeutender Zeitabschnitt seinen Höhepunkt erreicht, denn an diesem Datum endet das 13. Baktun ihrer Zeitrechnung. Ein Baktun besteht bei den Maya aus 144 000 Tagen für den Beginn dieser Rechnung dient das Jahr 3114 v. Chr. Warum dieser Anfang gewählt wurde, ist leider bis heute nicht bekannt. Und warum die Zahl 13? Für die Maya, wie auch für viele andere Kulturen, hatte die 13 eine besondere, mystische Bedeutung. Doch auf ihren Ursprung einzugehen, würde noch einmal 13 Bakten in Anspruch nehmen. Durch besagte Rechnung erhält man also das Jahr 2012. Dies wäre eine mathematische Deutung für die Theorie eines bevorstehenden Weltuntergangs. Es gibt aber auch eine physikalische.

 

Aus astronomischer Sicht kann tatsächlich etwas Außergewöhnliches an diesem Tag beobachtet werden. Eine sehr seltene Planetenkonstellation bewirkt, dass die Erde mit der Sonne im Zentrum der Milchstraße auf einer Linie stehen wird. Durch die bewiesene Existenz eines schwarzen Loches in der Milchstraße soll diese Ausrichtung eine Polstellung der Erde herbeiführen. Was dies für Auswirkungen auf die Erde und das Leben auf ihr hat, ist noch unbekannt. Dieses Phänomen geschieht nur etwa alle 26 000 Jahre. Zudem findet gleichzeitig an diesem Tag die alljährliche Wintersonnenwende statt.

 

All diese Beobachtungen lassen erkennen, dass die Maya keine religiösen Fanatiker, sondern eine hochentwickelte Kultur waren, die mit der der Griechen oder Ägypter vergleichbar ist. In ihrem Kreis befanden sich überragende Astronomen und Mathematiker. So gelang es ihnen, trotz mangelnder wissenschaftlicher Instrumente Sonnenwenden genau zu berechnen und Planetenlaufbahnen präzise darzustellen. Wie sie das schafften, fasziniert Wissenschaftler bis heute.
Muss man sich also Sorgen machen? Wohl eher nicht. Da die Maya ab ca. 900 n. Chr. ihre Städte aus unbekannten Gründen aufgaben, sind die einzigen Dinge, die sie uns hinterließen und die nicht zerstört wurden, einige Kulturstätten und der bereits erwähnte Kalender. Man kann annehmen, dass durch ihr plötzliches Verschwinden viele Schätze ihrer Kultur verloren gingen oder dass sie keine Zeit mehr hatten, ihre Theorien zu vollenden. Demnach fehlen uns viele ausschlaggebende Aufzeichnungen.
Nachfahren der Maya sagen heute, dass es sich bei der Hysterie um eine mögliche Apokalypse um ein christliches, abendländisches Konzept handelt. Die Maya gaben nur den Anstoß dazu. Denn aus ihrem Kalender geht nur hervor, dass sich an dem besagten Tag etwas verändert und gleichzeitig etwas enden soll. Aber ihre Kultur ist von Zyklen gekennzeichnet. Wenn ein Zyklus endet, beginnt gleichzeitig ein neuer. Ein Neuanfang findet statt – ein weiterer Urknall, wenn man so will.

 

So überrascht es nicht, dass in Filmen, wie in »2012« von Roland Emmerich, spekuliert wird, wie ein möglicher Weltuntergang aussehen könnte. Der erste Gedanke scheint zu sein, dass es eine Veränderung der Umwelt geben wird – etwa in Form von Wetterkatastrophen. Unvermeidlich ist der zweite Gedanke bei einer Diskussion um Weltall-Phänomene: Aliens werden ins Spiel gebracht. Ob sie uns angreifen und uns in Matt Groening “Futurama” leben lassen – nur die Zukunft wird es zeigen.

 

Was feststeht, ist, dass am 21. Dezember 2012 der Tag der Wintersonnenwende sein wird, und dass an diesem Datum ein 26 000 Jahre dauernder Zyklus, der unser Sonnensystem betrifft, endet. Diese Informationen allein sind jedoch kein Grund, einen Weltuntergang heraufzubeschwören. Zudem stellt sich die Frage: Hat ein Zyklus überhaupt einen Anfang und ein Ende?

 

Aber je mehr wir uns diesem Tag nähern, desto häufiger befassen sich die Medien mit dem Thema. Es geht sogar so weit, dass viele Seiten im Internet zu finden sind, die eine Uhr bis zum 21.12.2012 herunterzählen lassen. Wie sollen wir uns in dieser Zeit der Panikmache und des noch andauernden Wartens verhalten? Wahrscheinlich genauso, wie wenn das Internet plötzlich ausfällen würde: nervös hin- und herlaufen, den nächsten Politiker anschreien, unsere Gefühle malen, in der Fötusposition leise vor uns hinsummen – oder uns einfach nach draußen, in die wirkliche Welt, begeben.
Text: Elsa Venzmer

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