Kommunalpolitik in 20 Bildern

Am 15. März stehen Kommunalwahlen in Regensburg an. Unter Wahlkampf stellt man sich im Allgemeinen lange, überfrachtete Reden, nicht enden wollende Talkrunden, in denen sich die KandidatInnen ständig gegenseitig ins Wort fallen oder unschöne, wenig redegewandte Schlammschlachten vor. Das Ostentorkino jedoch war am Mittwochabend, 04. März 2020, Ort einer ganz anderen Art von Wahlkampfveranstaltung. Das Stichwort lautet Pecha Kucha.

von Tabea Klaes und Lotte Nachtmann

Pecha was?

Pecha Kucha ist eine aus Japan stammende Präsentationsform, bei der die/der Vortragende genau 6:40 Minuten Zeit haben, um ihr Anliegen zu vermitteln. Wie man zu dieser ungewöhnlichen Zeitvorgabe kommt? Es werden jeweils 20 Bilder gezeigt und für jedes dieser Bilder hat man dementsprechend 20 Sekunden, um zu sprechen. Das zungenbrecherische Wort Pecha Kucha soll übrigens onomatopoetisch den Klang eines dahin plätschernden Gesprächs nachempfinden, erklärte Florian Topernpong, einer der Organisatoren des Wahlspezials am Mittwoch Abend. 

So hatten auch die zehn der elf Oberbürgermeister-KandidatInnen nur 6:40 Minuten Zeit, um sich selbst und die Inhalte, mit denen ihre Parteien bei der am 15. März anstehenden Kommunalwahl punkten wollen, zu präsentieren. Dabei waren unterschiedlichste Interpretationsansätze des Pecha-Kucha-Ansatzes zu sehen: Manche OB-AnwärterInnen hielten am klassischen Powerpoint-Format fest und ergänzten ihre 20 Bilder mit Stichworten. Andere zeigten sich von ihrer persönlichen Seite und stellten mit Familienfotos den Mensch hinter dem/der OB-KandidatIn in den Vordergrund. Und wieder andere setzten auf humorvolle Memes, um das Publikum im ausverkauften Kinosaal zum Lachen zu bringen. 

Auch für den Wahlkampf geeignet?

Gelacht wurde viel an diesem abwechslungsreichen Abend, bei dem einem während der circa zwei Stunden durchaus ernst-gemeinten Wahlkampfes nicht einmal langweilig wurde. Organisiert hat das Event Bob Meindl vom Ostentorkino zusammen mit dem PechaKucha Team Regensburg um Florian Topernpong und Florian Hauer sowie Florian Hammerich. Pecha Kucha hat in Regensburg im Allgemeinen und im Ostentorkino im Besonderen schon eine längere Tradition. 2013 gab es die erste Pecha Kucha Night in Regensburg. Seitdem findet dieses Veranstaltungsformat im Ostentorkino regelmäßig statt, normalerweise natürlich nicht unter dem Wahlkampf-Stern stehend. Das Format war im Zusammenhang mit den Stadtrats- und OberbürgermeisterInnenwahlen ein absoluter Renner. Der Andrang von Wahlspezial war so groß, dass im Hof der Kinokneipe ein Zelt aufgestellt werden musste. Außerdem konnte der Abend via Livestream von zu Hause aus verfolgt werden.

Moderator Uli Scherr (rechts) mit FDP-Kandidat Horst Meierhofer

Uli Scherr vom Bayerischen Rundfunk begleitete den Abend als Moderator und hakte nach jedem Pecha-Kucha-Beitrag bei den KandidatInnen nach, wie es ihnen mit dieser für sie ungewöhnlichen Vortragsform ging. Wobei man es den meisten schon während der Darbietungen anmerken konnte, ob sie sich im Pecha Kucha wie ein Fisch im Wasser oder eher wie ein Elefant im Porzellan-Laden anstellten. Zusätzlich durfte das Publikum vor Veranstaltungsbeginn auf Zetteln Fragen an die PolitikerInnen formulieren, von denen dann jeweils eine beantwortet wurde. Die Reihenfolge der SprecherInnen wurde gelost.

Die Botschaft hinter 20 Bildern

Los ging es mit Irmgard Freihoffer von DIE LINKE. Nach einem »wilden Ritt durch die Themen« blieben die Aspekte Nachhaltigkeit, Ausbau öffentlicher Verkehrsmittel und gedeckelte Mieten im Gedächtnis. Regensburger »Unorte«, die ihr Pecha Kucha prägten, sollten laut Freihoffer Platz für eine für alle lebenswerte Umgebung machen. 

In einem sehr selbstbewussten und persönlichen Vortrag sprach Benedikt Suttner von der Ökologisch-Demokratischen Partei über den »Respekt gegenüber Natur, Kindern und menschlichen Grenzen« und sah die ÖDP als David im Duell gegen Goliath.

In seinem Pecha Kucha, das sich durch modernes Design und Textlastigkeit ausgezeichnete, plädierte Joachim Wolbergs (Die Brücke) vor allem für Solidarität beispielsweise im Rahmen eines 365-Euro-Tickets für den ÖPNV sowie eine attraktive Altstadt.

Der grüne OB-Kandidat Stefan Christoph wünschte sich ein »buntes sowie für Menschen, Tiere und Pflanzen offenes Regensburg«. Die Themen Inklusion, Mobilität, Feminismus und Zivilgesellschaft möchte er in alle Stadtteile tragen und fordert zum Schluss zur Wahl demokratischer Parteien auf.

Mehrere KandidatInnen, wie auch Ingo Frank von der Partei DIE PARTEI riefen zur Wahl demokratischer Parteien auf.

In gewohnt satirischer Manier sorgte Ingo Frank von der Partei DIE PARTEI durch Vorschläge wie etwa den Umbau des neu gebauten Museums für bayerische Geschichte zum innenstadtnahen Parkhaus, Gondoliers am Grieser Spitz und die Elimination nervender Wohnheime für Gelächter im Saal.

Christian Janele von den Cristlich-Sozialen Bürgern (CSB) setzte den Fokus auf ein soziales Regensburg unter anderem als vielfältige Kulturstadt. Seine zahlreiche konkrete Forderungen umfassten Themen wie Mietpreisdeckel, Inklusion, Stadtteilförderung und eine solidarische Mobilitätswende. Dennoch erschienen hier das erste Mal an diesem Abend zwanzig Sekunden beinahe zu lang für ein Bild. 

Als nächster Vortragender trat der Kandidat der FDP, Horst Meierhofer, selbstsicher und mit Bierflasche in der Hand vors Publikum. Schwerpunkte legte er in den Bereichen Verkehr (Rad, Tram, »Smart City«), Jahnstadion und Stadtteilkultur. Regensburg brauche »Lebensräume für Mensch und Natur«.

Ludwig Artinger von den FREIEN WÄHLERN stellte sein Wahlprogramm im bayerischen Dialekt vor, wobei die Themen Familie und Beruf, nachhaltiger Tourismus und die »Erhaltung natürlicher Lebensgrundlagen« in Erinnerung blieben. Er forderte eine »Politik ohne ideologische Scheuklappen«; emotional wurde er bezüglich seiner Ablehnung gegenüber der AfD.

In einem Wahlkampfrede-anmutendem und bildlich abgerundetem Vortrag entwarf die Sozialdemokratin Gertrud Maltz-Schwarzfischer ein Bild von Regensburg als »Stadt der kurzen Wege«, »Smart City mit Herz« und »Zero Waste Stadt«. Innovativer und bezahlbarer Wohnraum bildeten eine weitere Säule ihres Pecha Kuchas. 

Die 20 Bilder des Künstlers Jakob Friedl zeigten hauptsächlich die selbstgestalteten Wahlplakate der Ribislpartei, die im Vordergrund ihres alternativen »Malkampfes« stehen. Für eine nachhaltige und überlegte Stadtgestaltung bei Radverkehr und entschleunigten Wohnungsbau wünscht er sich die Partizipation aller BürgerInnen. 

Nur die Kandidatin der CSU, Astrid Freudenstein, fehlte aufgrund einer parteiinternen Wahlkampfveranstaltung im Regina-Kino.

Alles in allem überzeugte das Pecha-Kucha-Format als etwas anderes Wahlkampfevent vor allem für die kommunale Ebene, auf der die KandidatInnen persönlich stärker im Fokus stehen.

Gegen Politikverdrossenheit kämpfen wohl alle KandidatInnen, nicht nur Christian Janele (CSB).

 

Dieser Beitrag beinhaltet keine parteipolitischen Stellungnahmen seitens der Redaktion. Wer sich über die Wahlprogramme der einzelnen Oberbürgermeister-KandidatInnen informieren möchte, kann dies über folgende Links tun:

DIE LINKE, Irmgard Freihoffer

ÖDP, Benedikt Suttner

Die Brücke, Joachim Wolbergs

Bündnis 90/Die Grünen, Stefan Christoph

Die PARTEI, Ingo Frank

CSB, Christian Janele

FDP, Horst Meierhofer

FREIEN WÄHLER, Ludwig Artinger

SPD, Gertrud Maltz-Schwarzfischer

Ribisl, Jakob Friedl

CSU, Astrid Freudenstein

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