Fairer Kaffee = faire Uni?

Seit diesem Dienstag trägt die Uni Regensburg als 30. Hochschule deutschlandweit den Titel Fairtrade University. Wer das grün-blaue Siegel mit dem kleinen schwarzen Männchen sieht, denkt sofort an Kaffee oder vielleicht noch Bananen. Aber der Weg hin zur Fairtrade University ist wesentlich komplizierter als Heißgetränke oder exotisches Obst. Dahinter steckt nämlich vor allem das studentische Engagement weniger.

von Lotte Nachtmann

Fairtrade und Uni, wie passt das zusammen?

Bundesweit gibt es seit Dienstag 30 Fairtrade Universities. Angesichts der Masse von mehr als 400 Hochschulen, sei das, so Uni-Präsident Udo Hebel bei der Verleihungsfeier, ein Grund, um stolz zu sein. Seinen Ursprung hat die Kampagne 2003 in Großbritannien genommen, mit dem Ziel an Hochschulen das Bewusstsein für fairen Handel zu fördern. Fairer Handel steht dabei in erster Linie für die finanzielle Selbstbestimmtheit der Produzent*innen, die nicht mehr unter Dumping-Preisen leiden sollen – eine Art »Sicherheitsnetz gegen schwankende Preise«, nennt es Karina Bischke vom Verein Transfair e.V., der die Fairtrade University Kampagne unterstützt. Das Siegel für Hochschulen soll laut Flyer bestehende Aktivitäten bündeln, fairen Handel in die Lehre, die Forschung und den Unialltag einbinden und ein Kooperationsnetzwerk schaffen. Wenn man das Innovationspotenzial von Hochschulen betrachtet, ist dies auch genau der richtige Ort, um solche Netzwerke entstehen zu lassen. Weltweit tragen 127 Hochschulen den Titel Fairtrade University.

Die Idee, aus der Uni Regensburg eine Fairtrade University zu machen, hatte Nadine Schuller, ein ehemaliges Mitglied des Arbeitskreises Unifair; übernommen hat es dann in der Hochphase der Bewerbung Bettina Diller. So ganz aus dem Leeren gegriffen war der Plan gerade in Regensburg nämlich nicht. Die Stadt ist seit 2012 Fairtrade Town und fünf Fairtrade Schools gibt es auch bereits (die sechste ist auf dem Weg). Genug Vorbilder gab es also. Vor allem die Unterstützung von Sabine Leistner una terra in Regensburg hebt Bettina Diller dankbar hervor.

Karina Bischke (ganz links) von Transfair e.V. übergibt am Dienstagmorgen im Gästesaal der Unimensa die Urkunde zur Fairtrade University an die Steuerungsgruppe um Präsident Udo Hebel (zweiter von links) und Bettina Diller (dritte von links).

Aber wie wird man Fairtrade University?

Dafür müssen fünf Kriterien erfüllt werden: Zunächst muss ein Hochschulbeschluss von den führenden Gremien der Studierendenschaft und der Verwaltung der Uni gefasst werden. Bettina Diller betont, dass die Initiative aber gerade seitens der Verwaltung und hierbei vor allem durch den Kanzler Christian Blomeyer von Anfang an unterstützt wurde. In einem zweiten Schritt entstand dann eine Steuerungsgruppe mit Vertreter der Hochschulverwaltung, der gastronomischen Betriebe und Geschäfte auf dem Campus, der Studierendenschaft und weiterer universitärer Initiativen. Die nächsten zwei Kriterien betreffen die konkrete Präsenz von Fairtrade Produkten auf dem Campus, sprich bei Sitzungen und offiziellen Veranstaltungen sowie in Geschäften und Gastronomiebetrieben. Gerade mit der letzten Voraussetzung hatte die Steuerungsgruppe lange zu kämpfen, da bei der Größe der Universität inzwischen mindestens 20 Verkaufsorte von fair gehandelten Waren nachgewiesen werden müssen. Durch die Aufstockung von sechs Automaten des Studentenwerks mit Fairtrade Produkten, konnte aber dieses Kriterium auch erfüllt werden. Leider gibt es gerade unter Studierenden immer noch einige Vorbehalte gegenüber Fairtrade Produkten, gerade bezüglich der höheren Preise im Vergleich zu Discounter-Billigware, weshalb das Studentenwerk zunächst noch sehr vorsichtig das Fairtrade Sortiment erweitert. Dabei sprengen 80 Cent für eine Haselnusswaffel nun wirklich kaum das studentische Budget. Weitere Verkaufsstellen auf dem Campus sind die Cafeterien, das Café Zentral, die ALEA Kaffeebar, das Unikat, die Primo Cafébar, die Panta Rhei und die regelmäßigen Stände des AK Unifair. Dessen Aktionen sowie die »Faire Woche« der Katholischen Hochschulgemeinde (auch Partner des Fairtrade University Projekts) im Mai 2019 und die Nachhaltigkeitswoche auf dem ganzen Campus im Juli 2019 sorgen für die Erfüllung der fünften Bedingung – Veranstaltungen rund um Fairtrade. Damit konnte sich die Uni Regensburg Mitte August 2019 als Fairtrade University bewerben und erhielt im Oktober die Zusage.

Einmal Fairtrade, immer Fairtrade?

So einfach ist das ganze nicht. Der Titel Fairtrade University muss alle zwei Jahre erneuert werden. Deshalb geht es auch gleich in die Planungsphase für neue Projekte und Ideen, denn auf dem Campus kann noch so einiges umgesetzt werden. Eine stärkere Vernetzung mit anderen Gruppen mit den Nachhaltigkeitsgruppen auf dem Campus, der Fairtrade Town Regensburg und den Fairtrade Schools sowie eine Ausweitung auf die OTH stehen hierbei ganz oben auf der Prioritäten-Liste. Auch sollen weitere Geschäfte wie Edeka Hechtbauer, der Uni-Friseursalon oder Bücher Pustet mit ins Boot geholt werden. Eine ganz konkrete Idee ist die eines Global Dinners an der Uni. Im Kleinen wurde dieses Konzept bereits am Dienstag bei der Verleihungsfeier umgesetzt. Dabei ziehen die Teilnehmer*innen zu Beginn ein Los, das sie den Gruppen besser Gestellte, Mittelklasse und Arme zuweist. Je nach Gruppe gibt es dann ein deftiges Fleisch- oder Fischgericht, ein karges Reisgericht mit Beilage oder lediglich eine Schüssel Reis, gerade so, wie es sich viele Menschen jeden Tag als einzige Mahlzeit leisten können.

Und wer kümmert sich drum?

Vor allem dem Engagement von Bettina Diller ist es zu verdanken, dass sich die Uni Regensburg jetzt Fairtrade University nennen darf.

»Man braucht nicht nur Menschen, die tolle in die Welt setzen, sondern auch solche, die sie umsetzen.« Damit lobt der Uni-Präsident Udo Hebel nicht nur das außerordentliche Engagement, das Bettina Diller für die Auszeichnung Fairtrade University gezeigt hat, sondern lässt auch ein Problem anklingen, das viele nicht nur studentische Initiativen betrifft: Häufig genug fehlt es an Menschen, die bereit sind, so viel Zeit und Energie wie zum Beispiel Bettina Diller in Projekte mit gesellschaftlicher Verantwortung zu stecken. Dabei ist sie selbst gar keine Studentin mehr; ihr Mat

hestudium hat sie bereits abgeschlossen und arbeitet inzwischen für die Sparkasse. Dass sie immer noch beim AK Unifair, dem die Idee der Fairtrade Uni schließlich entsprungen ist, mitmacht, liegt daran, dass dieser an akuter Mitgliederschwäche leidet. Nur zu zehnt sind sie. Bettina ist aus diesem Grund auch das einzige Mitglied des Arbeitskreises, das der Steuerungsgruppe für das Projekt angehört. Eine mickrige Bilanz, zumal es die jungen Menschen sind, die das Unileben prägen und im Moment für mehr Nachhaltigkeit und globale Gerechtigkeit auf die Straßen gehen. Dabei ist es zum Beispiel dem Engagement der Aktionsgruppe Global Gerecht AG3, die leider eben wegen fehlender Mitglieder aufgelöst werden musste, zu verdanken, dass seit 2012 in alle Cafeterien an der Uni und der OTH ausschließlich fair gehandelter Kaffee und Tee verkauft wird.

 

Die Verleihung des Titels Fairtrade University soll daher nicht nur als Auszeichnung verstanden werden, sondern auch zeigen, was durch zielstrebiges Engagement möglich ist. Vielleicht sieht das die/der eine oder andere ja als Weckruf für mehr persönliches Engagement für Themen, die uns alle betreffen. Wer konkretes Interesse an der Mitwirkung beim AK Unifair hat, kann sich hier informieren.

 

* zum Beitragsbild: So ein Schicksalslos hat jede/r Teilnehmer*in des Global Dinners, das der Verleihungsfeier am Dienstag einen Rahmen gegeben hat, gezogen.

 

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