Driving Home from Christmas

Die Feiertage sind vorbei, so langsam trudeln die Regensburger Studierenden wieder in ihrer Wahlheimat ein. So auch ich, die die Weihnachtstage bei in ihrem Elternhaus im beschaulichen Oberbayern verbracht hat. 

von Lena Alt

Nach Hause fahren. Vor drei Jahren hätte ich diese Formulierung noch *vor* den Feiertagen benutzt, wenn ich meinen FreundInnen erzähle, wo ich Weihnachten verbringe. Jetzt, ein bisschen Wasser die Donau runter, hat sich das geändert. Ich verwende die Formulierung jetzt, um meinen Eltern zu sagen, dass ich wieder in meinen studentischen Alltag zurückkehre. Obwohl ich mich natürlich pudelwohl fühle bei meinen Eltern, und ihr Haus für immer meine Heimat bleiben wird.

Zugegeben, ich wundere mich über mich selbst, dass ich diese Wohnung mein Zuhause nenne. Haltet mich für verrückt, das nehme ich euch nicht übel. Ich wundere mich über nichts mehr im Regensburger Kasernenviertel, warum auch? Wenn ich mich wundere, mich erschrecke, nachts besorgt wach liege, ob vielleicht doch die alten Wände um mich herum zusammenklappen, dann ändert das meine Wohnsituation ja doch nicht.

Und so komme ich nach den Feiertagen nach Hause. Ich kurve mein vollgepacktes Auto auf den Parkplatz vorm Haus, und kann mich freuen, den Spitzenplatz direkt vor der Haustür ergattert zu haben. Ich steige aus, schultere die erste Ladung Gepäck und mache mich auf den Weg in die Wohnung, gespannt auf mögliche böse Überraschungen, die mich dort erwarten könnten. Die Strecke dorthin führt mich vorbei am Müllhaus, das überquillt vom Restmüll des alten Jahres, den die anderen Hausbewohner am Neujahrsmorgen 2020 hineingestopft haben müssen. Hinter dem Müllhaus erspähe ich schon die Fahrradständer. Erfreut stelle ich fest, dass mein klappriger Drahtesel noch an derselben Stelle steht, an der ich ihn abgestellt habe. Der Briefkasten quillt trotz »Bitte keine Werbung«-Schild über vor liebevoll gestalteter Sale-Werbung sämtlicher Regensburger Läden, die ich beschwingt direkt in den dafür aufgestellten Mülleimer befördere. Ein herrlich befreiendes Gefühl. Beim Aufstieg in den ersten Stock bemerke ich neue Flecken im Treppenhaus, die verdächtig nach Blut aussehen. Vielleicht ist es aber auch nur Farbe, wer weiß das schon so genau. Nicht weiter besorgniserregend also. Ich nähere mich der Wohnungstür und freue mich, sie in unversehrtem Zustand vorzufinden. Dann wurde sie auf keinen Fall von Dilettanten aufgebrochen. Schonmal ein gutes Zeichen. Ich sperre auf, und sehe noch mehr davon. So viele gute Zeichen. Der Wasserschaden ist noch, wo er war; unsere Heizungen sind genauso kaputt wie wir sie zurückgelassen haben. Die Stelle an der Wand, wo die Schimmelbeseitigung die Farbe weggeätzt hat, sieht noch exakt so aus wie vor Weihnachten. Schön, denn das bedeutet, dass niemand in der Wohnung gewesen ist, der es für nötig hielt, diese Niedlichkeiten zu beseitigen. Ich ziehe meinen Mantel aus, und bemerke, dass ich ihn eigentlich gleich wieder anziehen möchte. Neugierig begebe ich mich in den Westflügel, und stelle erfreut fest, dass anderthalb Wochen das Fenster im Schlafzimmer gekippt war. Das sind gleich zwei Gründe zur Freude. Schön, dass es nicht sperrangelweit offen war, und außerdem spart es uns jetzt das erste Lüften. Meine Mütze lasse ich jetzt aber erstmal auf dem Kopf.

Einige Augenblicke später sitze ich aufgewärmt auf dem Sofa, einen Kaffee in der Hand, ein Buch auf dem Schoß. So ruhig, und endlich kann ich sie hören: Meine Nachbarn. Alle sind sie da. Der Pianist, das streitende Paar, das verliebte Paar, die Partymaus unter mir und natürlich der Telefonist, der seine privaten Gespräche auf seinem Balkon führt, sodass sie auf jeden Fall jeder hören kann. Besser als Netflix.

Mitten in der Nacht, nach ausgiebigen anderthalb Stunden Tiefschlafphase, ist es dann endgültig soweit. Sirenen wecken mich sanft aus meinem wohlverdienten Schlaf. Wie habe ich dieses wohltuende Geräusch vermisst. Beruhigt kann ich den Kopf wieder auf mein Kissen sinken lassen. Lächelnd schließe ich meine Augen. Ich bin wieder Zuhause.

In diesem Sinne wünsche ich euch allen ein frohes und gesundes neues Jahr, und heiße euch herzlich willkommen zurück im Regensburger Wahn- und Wohnsinn!

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