Am Dienstag im Studikino: »The Hate U Give« (OmU)

Black lifes matter. Das ist die Botschaft von »The Hate U Give« (OmU), der morgen Abend um 20 Uhr im Studikino läuft. Das Kriminaldrama von George Tillman bringt den ZuschauerInnen mit sehr direkten und drastischen Bildern nahe, was es bedeutet, als Jugendliche in den USA »schwarz« zu sein: Stigmatisierung, Angst, Polizeigewalt, aber auch das Bedürfnis, diese Ungerechtigkeit publik zu machen.

von Lotte Nachtmann

Der Griff nach einer Haarbürste bedeutet für den jungen Khalil (Algee Smith) den Tod. Die sechzehnjährige Starr (Amandla Stenberg) erinnert sich hingegen an die Worte, die ihr Vater (Russell Hornsby) ihr, seitdem sie klein ist, eintrichtert: »Leg die Hände aufs Armaturenbrett und lass sie dort. Bewegungen machen die Polizei nervös«. Starr weiß, wie man sich verhalten muss, um nicht festgenommen … oder erschossen zu werden. Khalil weiß es nicht. Das Kriminaldrama »The Hate U Give«, basierend auf dem gleichnamigen Buch der US-Autorin Angie Thomas, beginnt mit eben dieser Szene, wie Maverick Carter seinen Kindern »the talk« hält. Er möchte ihnen ersparen, was ihm widerfahren ist, was seinem Vater widerfahren ist: unschuldig ins Gefängnis gehen oder Schlimmeres. Wie eben Khalil. Als er Starr nach einer Party nach Hause fährt, geraten die Kindheitsfreunde in eine Polizeikontrolle. Khalil erinnert sich nicht an »the talk«

Zwischen Quotenminderheit und Drogenbanden

In »The Hate U Give« geht es um Polizeigewalt gegenüber AfroamerikanerInnen. Khalil steht für die vielen Jugendlichen wie Trayvon Martin oder Philando Castile, die in den Vereinigten Staaten von zumeist weißen Polizisten erschossen wurden. In »The Hate U Give« geht es aber auch um das Doppelleben, das Starr führt, um wie ebenso viele jugendliche AfroamerikanerInnen aus der Spirale der Stigmatisierung herauszukommen. Garden Heights und die Williamson Privatschulen sind die zwei Welten, zwischen denen Starr balancieren muss. Auf die Williamson School geht sie, um nicht »verprügelt, high oder schwanger zu werden«, wie man es laut ihrer Mutter (Regina Hall) auf den »schwarzen« Highschools wird. Dort ist sie die vorbildliche »Quoten-Schwarze« mit »weißem« Freund, die keinen Slang spricht und sich auch sonst perfekt anpasst. In Garden Heights ist sie zu Hause, dort leben ihre Leute. In Garden Heights muss sie aber auch das Ten-Point Program der Black Panther auswendig lernen, um nicht zu vergessen, dass man stolz darauf sein sollte, »schwarz« zu sein, und für seine Rechte kämpfen muss. In Garden Heights wird aber auch mit Drogen gedealt, herrschen Bandenstrukturen und werden Kinder auf offener Straße aus Rache erschossen. Als Kind verliert Starr so ihre beste Freundin. Die ganze Familie steht im Visier des Drogenbosses der Neighborhood King, dessen rechte Hand Maverick vor seiner Haftstrafe war.

Nach dem gewaltsamen Tod Khalils brechen Unruhen in Garden Heights aus, eine Bürgerrechtsanwältin will Starr dazu bringen vor der Grand Jury, die sich mit dem Fall auseinandersetzt, auszusagen. Starr zögert … aus Angst, zur Zielscheibe zu werden, aus Sorge, ihr lupenreines Image an der Williamson zu verlieren? Schließlich siegt in ihr jedoch das Bedürfnis, Khalil und allen Opfern von Stigmatisierung, Ghettoisierung und Polizeigewalt eine Stimme zu geben. Das wiederum ruft die King Lords auf den Plan, für die Khalil Drogen gedealt hat. Starr und ihre Familie müssen untertauchen. Doch gerade als herauskommt, dass der Polizist, der Khalil erschossen hat, freigesprochen wird, versteckt sich Starr nicht und stellt sich an die Spitze der aufgebrachten BewohnerInnen von Garden Heights. Und man kauft es ihr ab: die Wut, die Verzweiflung, das sich Sehnen nach Gerechtigkeit. Amandla Stenberg, die viele ZuschauerInnen vermutlich als Rue in »The Tribute von Panem« kennen, ist selbst aktiv in der Bürgerrechtsbewegung sowohl für Frauenrechte als auch für Farbige aktiv.

Ein Film, der wütend macht

Der Kriminalfilm, der 2018 in den USA und zu Beginn dieses Jahres in den deutschen Kinos erschien, reiht sich ein in eine Vielzahl an Filmen der letzten Jahren, die die schreienden Ungerechtigkeiten im Leben von AfroamerikanerInnen in den Mittelpunkt stellen. Spike Lees »BlacKkKlansman« (letztes Semester im Studikino), Boot Rileys »Sorry to Brother You«, Ryan Cooglers »Nächster Halt: Fruitvale Station«, Oscar Grants »Black Panther«, Carlos López Estradas »Blindspotting« oder Peter Farrellys »Green Book« (am 28. Januar im Studikino) zeigen aus verschiedenen Blickwinkeln den Rassismus, der AfroamerikanerInnen in den USA widerfahren ist und leider immer noch alltäglich widerfährt. The »Hate U Give« spielt heute und die erzählte Geschichte könnte sich in jeder amerikanischen Stadt so zutragen. Und genau das macht den Film, der nicht als Adaptation eines Jugendromans abgetan werden sollte, so packend und emotional. Mit Tränen der Wut geht man aus dem Kinosaal und möchte sich am liebsten selbst in die Reihen der aufgebrachten Demonstranten stellen, die Starr so mutig anführt und denen man sich dank einer sehr direkten Kameraführung so nah fühlt.

Aber überzeugt Euch am besten selbst von der Bildgewalt, im kinematografischen wie thematischen Sinne, und kommt morgen Abend um 20 Uhr ins Studikino (H16). Der Eintrittspreis beläuft sich wie immer auf übersichtliche 1,50 €.

Foto von der Studikino-Website: http://studikino.de/?tribe_events=the-hate-u-give-omu

 

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