How to Hochschulpolitik…

Diese Frage stellen sich viele Studierende, die gerade in den SprecherInnenrat, den studentischen Konvent, einen Fachschaftsrat oder sogar den Senat gewählt wurden. Und vor allem einem sehr großen Teil der nicht politisch engagierten »NormalostudentenInnen« ist das Thema Hochschulpolitik vermutlich noch fremder als lineare Algebra. Der Studentische SprecherInnenrat der Uni Regensburg, kurz AStA, hat deshalb in der ersten Vorlesungswoche ein Einführungsseminar veranstaltet, das Fragen rund um Wahlen, studentisches Engagement und die Möglichkeiten von Hochschulpolitik beantwortet hat.

von Lotte Nachtmann

Matthias Ernst ist schon ein alter Hase was Hochschulpolitik angeht: Seit 2014 ist er an der Uni politisch aktiv und sitzt dieses Jahr im Senat. Für den Medienwissenschaftsstudenten war direkt zu Beginn seiner akademischen Karriere klar: Er will sich engagieren. »Ich war auch schon vor der Uni in der Politik unterwegs und wollte mein Lebensumfeld mitgestalten. Dann war plötzlich der Campus mein Lebensbereich. Für mich war es daher nur logisch, in die Hochschulpolitik zu gehen. « Lydia Reismann (Medizin, Philosophie und Politikwissenschaft) hingegen ist vergangenes Jahr über ihr vielfältiges Engagement wie zum Beispiel in der Nachhaltigkeitswoche »eher so in die Hochschulpolitik reingerutscht«. Jetzt vertritt sie für die Grüne Hochschulgruppe Regensburg (GHG) das Referat für Hochschulpolitik, Nachhaltigkeit und Finanzen im AStA. Zusammen haben der alte Hase und die Quereinsteigerin am Freitag der ersten Vorlesungswoche dieses noch jungen Wintersemesters ein Seminar unter dem Motto »How to Hochschulpolitik« auf die Beine gestellt. In vier Workshops zu den Themen »Bologna, Hochschulreformen und die Folgen auf unseren Studienalltag«, »Studentisches Engagement – Was dürfen wir überhaupt?! «, »Das 1×1 der Arbeit im Fakultätsrat« sowie »Zukunftsfähige Hochschule – Nachhaltigkeit an der UR« durften die TeilnehmerInnen alle klugen und doofen Fragen zum Hochschulrecht und der Arbeit in den Uni-Gremien stellen.

Um die 15 politisch interessierten und engagierten StudentInnen haben an den Workshops teilgenommen.

Jeder kann etwas über Hochschulpolitik dazu lernen

Das Seminar richtete sich explizit an alle Studierenden der Uni Regensburg, egal ob politisch engagiert oder nicht. Unabhängig vom Stundenplan »geht es ja schließlich für alle darum, ihr Studium zu gestalten. Vielen kennen die Strukturen dahinter leider nicht«, ermuntert Matthias Ernst. Von den circa 15 TeilnehmerInnen des Seminars sitzen dann doch die meisten in den diversen Gremien der Uni Regensburg. Aber gerade NeueinsteigerInnen in der Hochschulpolitik, und davon gibt es nach den letzten Wahlen viele, müssen sich auch erstmal orientieren in diesen Wust an Möglichkeiten der Mitgestaltung. »Häufig geht die Hälfte einer Amtszeit dafür drauf, zu verstehen, was man da eigentlich macht«, scherzt Matthias Ernst.

Der Sonderfall Bayern

Wir von der Lautschrift waren beim Workshop zu den Handlungsspielräumen von Hochschulpolitik dabei. Als Gastreferentin war Amanda Steinmaus aus dem Vorstand des freien zusammenschlusses von student*innenschaften (fzs), dem Dachverband der deutschen ASten, nach Regensburg gekommen. Während anderthalb Stunden klärte die ehemalige Vorsitzende des AStA der Uni Duisburg/Essen vor allem über den Unterschied zwischen einer verfassten und einer nicht verfassten Studierendenschaft auf. Das ist gerade für uns Studierende in Bayern, dem einzigen Bundesland ohne verfasste Studierendenschaft, wichtig. Um es auf den Punkt zu bringen: In allen anderen Bundesländern sind die Studierendenschaften Gliedkörperschaften des öffentlichen Rechts, letztlich eine Verwaltungsbehörde wie eine Versicherung oder ähnliches, und haben damit Finanz-, Satzungs- und Vertragshoheit. In normales Studierendendeutsch übersetzt bedeutet das: Diese Studierendenschaften haben ein eigenes Budget (das in den Summen dementsprechend nicht mit dem für bayerische ASten zu vergleichen ist) und dürfen Verträge, zum Beispiel mit Verkehrsunternehmen für das Semesterticket, abschließen. Das klingt erstmal super, weil die ASten somit einen deutlich ausgeprägteren Handlungsspielraum für die Umsetzung der Belange der Studierenden haben. Allerdings sind sie durch ihren Status quasi eine Behörde des Staates und dürfen sich somit nur in sehr begrenztem Maße allgemeinpolitisch äußern. Jede politische Positionierung muss einen Hochschulbezug aufweisen. Ein Beispiel wäre die Haltung zu Fridays for Future: der Regensburger AStA kann sich frei zu ihren Zielen bekennen und das Aktionsbündnis unterstützen; ASten in anderen Bundesländern müssen da vorsichtiger sein, sonst kann sogar eine Klage drohen.

Weitere Workshops in Planung

Wer jetzt nur Bahnhof verstanden hat oder auch einfach mehr über die Hochschulpolitik an der Uni Regensburg erfahren will, ist noch nicht zu spät dran. Diese Art von Workshops soll keine Einzelveranstaltung bleiben. Das Seminar vor zwei Wochen sollte ein Test sein, »und eventuell der Beginn einer Reihe«, kündigt Lydia Reismann an, »Erstmal haben wir überlegt, immer zu Semesterbeginn Workshops für die Neuen in der Hochschulpolitik anzubieten, so wie heute. Aber wir können uns auch vorstellen, so etwas mal während des Semesters zu machen, für Leute, die sich einfach so informieren wollen.«

Für mehr Informationen über Hochschulpolitik und die Arbeit des AStA, zu dem auch wir von der Lautschrift als Arbeitskreis gehören, könnt Ihr die Facebook-Seite der der Website der Uni Regensburg besuchen.

 

Foto: © Lotte Nachtmann

 

Schreibe einen Kommentar