Ode an den Kaffee

Diesmal geht es in meiner Kolumne nicht um irgendeine crazy Story aus meiner Wohngegend. Vielmehr geht es um einen Gegenstand in meiner Wohnung, der mich all den Wahn- und Wohnsinn um mich rum vergessen lässt: Die Kaffeemaschine.

von Lena Alt

Endlich habe ich eine Kaffeemaschine. Ihr schmunzelt jetzt vielleicht, oder verdreht die Augen darüber, dass mir diese Information so wichtig ist, dass ich sie hier teile. Aber ich will euch erklären, wieso.

»Kaffee ist mein Lebenselixier.« Den Satz hat wahrscheinlich jeder von uns schonmal von den heiligen Wänden der Betonschönheit, die wir Uni nennen, widerhallen hören. Und sicherlich kennt jeder von uns Personen, auf die das absolut zutrifft. FreundInnen, mit denen vorm ersten Kaffee des Tages absolut nicht gut Kirschen essen ist. KomilitonInnen, die in der Zeitspanne zwischen erstem Kaffee, dessen Wirkung langsam nachlässt, und zweitem Kaffee, der noch nicht zugeführt wurde, im Seminar hängen und sich vor lauter Erschöpfung kaum auf dem Stuhl halten können. Bekannte, die nie, aber auch wirklich niemals ohne ihren Thermosbecher anzutreffen sind.

Ich bin keine von denen. Schwarzer Kaffee schmeckt mir nicht, ist mir zu bitter. Filterkaffee mit Milch ist trinkbar, wenn ich wirklich müde bin und schlafen keine Option ist. Espresso trinke ich nur mit Geschmack, also mit Vanillezusatz oder Karamell oder sowas. Aber trotzdem — ich trinke leidenschaftlich gerne Kaffee, von dem manche behaupten, er wäre mehr Milch als Kaffee. Cappuccino, Latte Macchiato, kalter Kaffee, Eiskaffees. Bisher habe ich mir fast jeden Morgen auf dem Weg zur Bushaltestelle bei meinem Lieblingsbäcker einen Cappuccino geholt. Mit extra Milchschaum und Kakaopulver on top. Man kennt mich dort, selbst wenn ich tatsächlich nur mal ein Brot holen möchte. Mal sehen ob das so bleibt, denn jetzt wird sich ja alles ändern. Ich bin nun nach drei Jahren Wohnen in Regensburg endlich im Besitz einer Kaffeemaschine. Sie ist süß und klein und rot. Vielleicht kriegt sie einen Namen, ich weiß noch nicht genau. Sie macht mir Kaffee, der genau richtig ist, um in den Tag zu starten oder die nachmittägliche Bachelorarbeit-Schreiberei zu beginnen. Aha — bin ich also doch so eine, die ohne Kaffee nicht wach wird?

Nein. Wach werde ich auch durch frische Luft, durch eine kalte Dusche, durch ein gutes Gespräch oder durch einen kleinen Kuss auf die Stirn von meinem Freund und Mitbewohner. Dafür brauche ich Kaffee nicht. Wozu dann also der Hype um die Kaffeemaschine?

Wenn ich mich mit einer Tasse Kaffee (oder warmer Milch mit Kaffeegeschmack, nennt es, wie ihr wollt) an meinen Schreibtisch setze, auf den Balkon oder aufs Sofa, dann muss ich warten bis der Kaffee eine trinkbare Temperatur hat. Ich nehme die Tasse in beide Hände und puste leicht auf den Milchschaum. Dann hebe ich den Blick und schaue nach vorne. Auf dem Balkon schaue ich über den Innenhof und nehme wahr, was dort so passiert, ohne wirklich Teil davon zu sein. Ich sehe den alten Mann, der mit dem Fahrrad seine Kreise zieht. Morgens sehe ich, wie in den Wohnungen um den Innenhof alles zum Leben erwacht. Ich sehe, dass der Herbst jeden Tag weitere Blätter orange gefärbt hat. Am Schreibtisch sitzend sehe ich all die Arbeit, die ich mit der Bachelorarbeit noch haben werde, aber auch die Arbeit, die schon getan ist. Ich sehe meinen Kalender, in dem steht, wann ich das nächste Mal etwas mit Freunden oder der Familie unternehmen werde. Auf dem Sofa habe ich den Blick direkt auf den Esstisch und sehe, dass er frei ist, was bedeutet, dass ich gestern Abend noch abgewaschen habe und wenigstens ein bisschen stolz auf mich sein kann. Und ich sehe mein Bücherregal mit all den ungelesenen Geschichten, deren Geheimnisse ich noch erkunden werde.

Und wenn die Zeit mal nicht reicht, um mich noch zu Hause in aller Ruhe hinzusetzen? Dann kommt der Kaffee aus meiner Maschine in den To-Go-Becher, ich schließe die Wohnungstür zu, verlasse das Haus, puste in den Becher, sehe auf und lasse den Blick wandern. Natürlich ohne stehenzubleiben, schließlich hab ichs ja eilig. Aber trotzdem merke ich, wie der Stress mir vorauseilt, wie ich entspannter werde. Ich überquere den trubeligen Supermarktparkplatz und sehe unzählige Personen, denen so viele Emotionen anzusehen sind. Ich rieche die Tankstelle nebenan, nehme aber auch den Himmel wahr, oder aber die Bäume um den Parkplatz herum, umkurve ein neues Schlagloch. So banal es klingt, es funktioniert jedes Mal. Dann nehme ich einen großen Schluck Kaffee, und der Tag kann beginnen, komme was wolle.

Selbstverständlich könnte ich mir auch ohne Kaffee, mit Tee, Kakao, Wasser oder einfach ohne Getränk diese Zeit nehmen. Aber das tue ich nicht, das hab ich ja gemerkt die letzten drei Jahre. Der Kaffee gibt mir den Anlass dazu, einfach mal all den Stress vorbeiziehen zu lassen, kurz zur Ruhe zu kommen und all den Wohnsinn um mich herum zu vergessen. Und lecker ist er auch noch. Was will man mehr?

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