Indoor-Grillen für Hartgesottene

Manchmal erlebt man ja die lustigsten Geschichten gar nicht selbst, sondern bekommt sie erzählt. Deshalb möchte ich euch diese Woche von einer WG-Geschichte eines ehemaligen Nachbarn und heute guten Freundes berichten. Soviel sei gesagt: Glücklicherweise haben alle WG-Bewohner die Aktion ohne Rauchvergiftung überstanden.

von Lotte Nachtmann

Besagter Freund wohnt in einer Fünfer-WG in einem der Wohnheime des Regensburger Westens. Ein Jahr lang waren wir sogar Terrassen-Nachbarn. Folgendes trug sich nunmehr bereits vor einigen Semestern in dieser Wohngemeinschaft zu: Alle Bewohner hatten sich in ihren Zimmern hinter Uni-Skripten, Büchern oder Netflix verbuddelt. Meinem ehemaligen Nachbarn zog allerdings irgendwann ein ungewöhnlicher, leicht verbrannter Geruch in die Nase. Zunächst ging er davon aus, dass mal wieder jemand etwas anbrennen lassen oder im Ofen vergessen hat. Doch als der Rauch-Geruch langsam aber sicher penetranter wurde, wagte er den Gang in die Küche, bereits in der Befürchtung, ein Schlachtfeld vorzufinden. Doch in der Küche war niemand. Allmählich kamen auch die anderen WG-Bewohner, vom Gestank in ihrem Einsiedlertum gestört, aus ihren Zimmern heraus … bis auf einen.

Da der Ursprung des Rauchgeruchs angesichts der Intensität nur aus derselben Wohnung kommen konnte und von den anwesenden Bewohnern niemand ein Lagerfeuer in seinem Zimmer entfacht hatte, versammelten sich die vier vor dem Zimmer des bisher noch nicht aufgetauchten Nachbarn. Als dieser nicht auf Klopfen oder Rufe reagierte, öffneten sie die Tür, vor der es schon verdächtig stark müffelte. Und plötzlich kam den vieren ein weiß-graue Wand aus Qualm entgegen, auf die die, wie wir bereits wissen unzuverlässigen, Rauchmelder mal wieder nicht reagiert hatten. Während sie unter Husten und wildem Herumfuchteln versuchten, den Brandherd ausfindig zu machen, kam der verschollene Bewohner dieser Räucherkammer zur – ich betone – Wohnungstür herein. Doch woher kamen jetzt die Rauchschwaden?

Der Mitbewohner hatte doch tatsächlich bei geschlossener Tür und Fenster den Holzkohlegrill in seinem Zimmer angeschmissen und angefangen, sich ein Steak zuzubereiten. Ob es sich dabei um völliges Unwissen bezüglich Feuerschutzhinweisen und allgemeinen Überlebensstrategien handelte, oder eine Feldstudie zur Belastbarkeit der menschlichen Lunge werden sollte, ist bis heute unbekannt. Doch wie mein ehemaliger Mitbewohner Juan war auch dieser junge Mann Vertreter der Erfolgstheorie, dass ein Gericht am besten gelingt, wenn man es alleine bei voller Hitze vor sich hin brennen lässt. Die latent-aggressive Moralpredigt seiner Mitbewohner, dass man erstens nicht in geschlossenen Räumen grille (wobei Grillen in den Wohnheimen ja selbst auf den Balkonen und Terrassen verboten ist) und zweitens dann erst recht nicht das Zimmer verlasse, hat er zwar nicht ganz nachvollziehen können. Doch weitere Grillaktionen blieben laut Aussage meines guten Freundes aus. Bei dem Kochgewohnheiten mancher Mitbewohner redet man halt einfach gegen eine Wand, hier war es glücklicherweise nur eine Rauchwand. Und zum Wohl aller, ist ja auch niemandem etwas passiert, außer einer Erweiterung des Glaubens an kreative Zubereitungsarten. Vom Nachmachen ist aber dennoch abzuraten.

Was Fabian in seiner hoffentlich rauchfreien WG erlebt, erfahrt ihr dann nächste Woche.

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