Studentensport à la Carte

Hin und wieder haben wir sie alle mal: Tiefgründige Gespräche über Politik, Wissenschaften, Gender-Debatten – oder Sport. Besonders nach dem ein oder anderen Gläschen Wein…

von Kati Auerswald

So wie neulich, als meine WG zusammen mit ein paar Freunden über Sport philosophierte – bei einem guten Tropfen Merlot-Rotwein.
»Klar, mache ich Sport. Haufenweise! So viel, dass ich vor Muskelkater oft nicht einschlafen kann!«, erkläre ich meinem Gegenüber und nippe an meinem Weinglas. Zum Glück war es noch halbvoll – ich bin immerhin ein Optimist, sonst wäre es ja halbleer. »Wow, cool, was machst du? Fitnessstudio? Schwimmen? Wahrscheinlich joggen oder?«, will mein Gegenüber wissen. Ich weiß, dass er selbst ein sehr motivierter Fitnessstudio-Gänger (alias Pumper) ist.
»Gewisserweise schon, auf jeden Fall. Weil mein Leben ein einziges Fitnessstudio ist.« Jetzt zieht mein Kollege eine Augenbraue nach oben. Das Fragezeichen steht ihm buchstäblich auf der Stirn. Ich bin Studentin – so wie er Student ist. Und mein Studentenleben gestaltet sich sehr aktiv– und ja, sportlich. »Meine Jogging-Einheit mache ich meist so jeden zweiten Tag. Das sind die Tage, an denen ich zum Bus renne. Es handelt sich um eher kurze, intensive Sprint-Einheiten à la Intervalltraining.« Genau das, was Intervalltraining ausmacht. »Dann kommen meine Power-Yoga-Sessions – mindestens dreimal die Woche. Okay, das Work-Out-Umfeld ist manchmal etwas belastend, weil ich es immer im Bus machen muss. Es sind die Phasen, wenn der Bus rammelvoll ist und der Busfahrer gewagt fährt. Sodass man sich kaum oder nur knapp irgendwo festhalten kann und versucht, ja niemandem im Bus zu nahe zu kommen. Also Körperanspannung, wenn der Bus fährt und Entspannung bei den Halte- und Ampelphasen. Gleichzeitig versuchst du, die ganze Körperspannung zu halten. Halten, halten – uuuund: Locker lassen, bis zum Ausstieg. Eine weitere Herausforderung? Besonders für uns Frauen: Ja würdevoll und elegant bei den Power-Yoga-Sessions auszusehen.«
Ich lege eine kurze Pause ein, um zu sehen, ob mir mein Gegenüber noch folgt. Da er mich immer noch – inzwischen leicht erschüttert – ansieht, fahre ich fort: »Etwas, das viele Studenten stark unterschätzen, ist auch Kraftsport. Kraftsport durch Bierkästen-
Tragen. Ohne Auto oder Fahrrad. In den 4. Stock ohne Aufzug.« Ich präsentiere ihm meinen Bizeps. »Bierkästen haben diesen Bizeps geformt!« Das war anscheinend zu viel für mein Gegenüber. Er trinkt sein halbes Glas Wein mit einem Schluck leer und schaut verlegen in die Runde. »Macht sonst noch wer Sport?«

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