Am Dienstag im Studikino | Bad Times at the El Royale

Im 2018 erschienenen Neo-Noir Thriller Bad Times at the El Royale treffen sieben individuelle Charaktere im Jahr 1969 in einem heruntergekommenen Hotel namens El Royale aufeinander und werden in mehreren Storysträngen alsbald in merkwürdige Geschehnisse eingesogen. In zwei Stunden und 22 Minuten will Regisseur und Drehbuchautor Drew Goddard in seinem zweiten Film beweisen, dass Bad Times at the El Royale kein zweitklassiger Tarantino-Verschnitt ist, sondern er darin Gewalt, Ästhetik, Spannung und fesselnde Dialoge miteinander verbinden kann wie kein Zweiter. Ob ihm das gelingt, könnt ihr morgen im H16 selbst für euch entscheiden. Hier folgt allerdings schon mal eine kleine Vorschau auf das, was euch bei diesem Streifen erwartet.

Von Elias Schäfer

 

Was kann da schon schiefgehen? Ein Hotel mitten an der kalifornisch-nevadischen Grenze, das in den 1920ern vielleicht mal schön war, umgeben von prächtigster Natur, ausgestattet mit merkwürdigem Mobiliar, einem noch merkwürdigeren Angestellten namens Miles Miller und bezogen von absolut niemandem … bis vier verschiedene Menschen zur gleichen Zeit eintreffen: Pfarrer Daniel Flynn, Sängerin Darlene Sweet, Händler Laramie Seymour Sullivan und eine zunächst namenlose Hippiedame. Von diesem Moment an nimmt das Aufdecken der Geheimnisse des El Royales und seiner Gäste seinen Lauf.

Nicht ist so, wie es scheint

Bad Times at the El Royale zu beschreiben, ohne jegliche Twists, Turns und Hooks zu verraten, stellt sich als ziemlich schwierig heraus. Gefühlt sekündlich gibt es Storywendungen, neue Erkenntnisse oder relevante Szenen. Eine große Vorgeschichte oder anfängliche Erklärung gibt es hier nicht, denn der Zuschauer wird mithilfe eines Cold Openings direkt in den Film hineingeworfen und muss sich daraufhin selbst zwischen allen Intrigen und Wirrungen des Jahres 1969 in diesem gar nicht mal so unbedeutenden beziehungsweise unschuldigen Hotel zurechtfinden. Nichtsdestotrotz wird alles innerhalb des Films schlüssig erklärt und einem selbst wird die Story immer klarer, je mehr man ihr folgt. Der schmale Grat zwischen irgendwie doch logischen Wendungen und einem Overkill an Twists wird hier gut getroffen, da man auch nie den Überblick über das, was gerade passiert, verliert, auch wenn manches auf den ersten Blick schwer zu verstehen ist. Die Handlung von Bad Times at the El Royale wird ganz im von Quentin Tarantino popularisierten Stil anachronistisch gezeigt, das heißt, dass die Perspektiven und die Erzählzeiten der jeweiligen Filmabschnitte durcheinanderlaufen und erst am Ende zu einem kohärenten Ganzen zusammengefügt werden.

Ein Fest für Freunde der Noir-Ästhetik

Vom Look her ist der Film grandios. Die meisten Aufnahmen sind ziemlich düster, aber gut durchdacht, und jeder, der auf eine schöne, altmodische Film-Noir-Optik steht, kommt hier voll auf seine Kosten. Vom pompösen, aber heruntergewirtschafteten Hotel über die groben, moralisch ambivalenten Charaktere bis hin zu sämtlichen Gewaltszenen macht die Ästhetik von Bad Times at the El Royale besonders auf Fans dieser Machart schlichtweg einen wunderschönen Eindruck. Die verschiedenen Kameraeinstellungen sind spannend, die Story ist mitreißend und unterhaltsam, und die Schauspielleistung der sieben Protagonisten (unter anderem Jeff Bridges, Dakota Johnson und Chris Hemsworth) überragend. Allerdings muss man für den Film einiges an Geduld aufbringen, denn die Laufzeit ist nicht gerade gnädig, manche Plotpoints von vornherein nicht ersichtlich und das Pacing nicht ganz zufriedenstellend. Der zwielichtige, leicht schrullige Charme des El Royales und seiner Gäste machen solche Mankos jedoch so gut es geht wieder wett.

Fazit

Bad Times at the El Royale ist hauptsächlich eine Hommage an die 1960er, an alte Krimithriller und natürlich an den Meister des Sämtliche-Nischenfilmklassiker-in-einen-Plot-Verwurstens Quentin Tarantino, verliert dabei aber nicht seinen eigenen Geist und verkommt auch nicht zur Karikatur des Genres. Die moderne, aber dennoch angenehm altmodische Ästhetik, der brillante Cast und die komplex verwobene Handlung machen den Film insgesamt zu einem Erlebnis, das nicht nur für Film-Noir-Enthusiasten empfehlenswert ist.

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