Am Dienstag im Studikino | BlacKkKlansman

In der Tradition seiner New Black Cinema Filme aus den späten 80ern und frühen 90ern, z.B. Malcolm X oder Do The Right Thing, veröffentlichte Filmregisseur Spike Lee im Sommer 2018 den auf wahren Geschehnissen basierten Film BlacKkKlansman, der mehrheitlich in der Zeit der Bürgerrechtsbewegung Anfang der 70er spielt und vom ersten schwarzen Polizisten in Colorado Springs, der nach Arbeitsbeginn sofort gegen den örtlichen Ku-Klux-Klan ermitteln will, handelt. In einer Zeit, in der struktureller Rassismus in westlichen Gesellschaften immer noch besteht und gefördert wird, sind Filme mit einer solchen Thematik wichtig, denn BlacKkKlansman bezieht sich nicht nur auf die Vergangenheit.

Von Elias Schäfer

Explosionen, Revolten, große Reden, Humor, Liebe — von der cineastischen Inszenierung her ist BlacKkKlansman ganz großes Kino. Spike Lee versteht es meisterlich, viele Handlungsstränge miteinander zu verweben, organische Emotionen zu überbringen und den Zuschauer mit der Prägnanz seiner gezeigten Bilder aufzurütteln. Die Verfilmung des Buches Black Klansman von Ron Stallworth fährt mit bekannten Schauspielern, echten historischen Figuren und einer absurden wie auch ernsten Handlung auf.

»Unterwandere den Hass«

Ron Stallworth, ein junger Afroamerikaner, beginnt am Anfang des Filmes nach erfolgreichem Vorstellungsgespräch bei der Polizeistation von Colorado Springs zu arbeiten. Schon am Anfang sieht er sich rassistischen Ressentiments innerhalb seines Kollegentums entgegengestellt, versucht jedoch so gut wie möglich darüber hinwegzusehen. Nachdem er verschiedene niedere Arbeiten verrichtete, wird Ron als verdeckter Ermittler eingesetzt, dessen erste Aufgabe es ist, sich auf eine Black-Power-Veranstaltung zu schleichen und deren Teilnehmer auszuspionieren. Dies geht allerdings leicht nach hinten los, denn er verliebt sich in die daran teilnehmende Vorsitzende einer schwarzen Studentenverbindung, Patrice Dumas, und findet die von Kwame Ture vorgestellten Ideen gar nicht mal so übel. Kurz darauf kann Stallworth seine Vorgesetzten dazu überreden, ihn den örtlichen Ku-Klux-Klan infiltrieren zu lassen: Erst per Telefon, dann in Person seines Kollegen Flip Zimmerman, der sogar den Großmeister des KKK, David Duke, von sich überzeugen kann. Danach geht die verrückte und wendungsreiche Geschichte Stallworths erst richtig los.

Guter Cast, gute Message, guter Film?

Die Schauspieler wurden von Spike Lee perfekt für ihre Rollen ausgewählt. Ron Stallworth wird von John David Washington gespielt, dessen Vater Denzel Washington selbst schon Rollen in vier Filmen Lees innehatte. Die Rolle des Flip Zimmerman übernimmt Adam Driver, zurzeit wohl am meisten bekannt durch seine Darstellung des Kylo Ren in der neuen Star Wars-Trilogie. Laura Harrier spielt Stallworths Liebschaft und die starke Vorsitzende ihrer Studenverbindung, Patrice Dumas, während Topher Grace, für Sitcomfreunde als Eric aus Die Wilden 70er wiedererkennbar, eine exzellente Leistung als KKK Grand Wizard David Duke hinlegt. All die Hauptdarsteller und der Nebencast harmonieren sehr gut miteinander, sie sind absolut charismatisch in ihren Rollen und laden entweder zum Hassen oder zum Lieben ein. Obwohl die Inszenierung der halbdokumentarischen Handlung pompös ist, schwächelt diese im Vergleich zur Schauspielleistung und vor allem zum schlussendlichen Statement etwas, wird an manchen Stellen sogar zäh, was aber nichts daran ändert, dass dieser Film äußerst sehenswert für jeden mit etwas soziopolitischem Bewusstsein und einem Faible für die Geschichte der Bürgerrechtsbewegung beziehungsweise der heutigen Situation der Afroamerikaner ist.

Fazit

BlacKkKlansman überzeugt mit einem schön harmonierenden Cast und einer wichtigen, gegenwartsbezogenen Message. Der Film ist eine, ganz im Stile von Spike Lee, oft überspitzte und brutale Mischung aus Satire, Dokumentation und Actiondrama, deren Bilder ins Mark treffen, aufrütteln und den Zuschauer genauso gut zum Lachen bringen wie auch Wut und Trauer auslösen können. Klare Empfehlung.

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