Die Stuhldiebe sind wieder unterwegs

Vor Kurzem haben sie mal wieder unseren Flur im einem der Wohnheime im Regensburger Südwesten heimgesucht und eiskalt in der Küche zugeschlagen: Die Stuhldiebe. Versuchen wir, dieser semi-kriminellen Wohnheim-Mafia auf den Grund zu gehen.

Von Lotte Nachtmann

Vor zwei wochen kamen mein Mitbewohner und ich abends aus der Stadt nach Hause und wollten noch eine gemütliche Tasse Tee in der Küche trinken. Doch als wir den Raum betraten, erlebten wir eine unangenehme Überraschung: Unsere sechs Stühle (für einen Flur mit zehn Zimmern ohnehin schon nicht ausreichend) w aren verschwunden. Für die späte Stunde begnügten wir uns dann mit dem Tisch, in der Hoffnung, dass jemand unsere Sitzgelegenheiten nur für eine Küchenparty ausgeliehen hatte und am nächsten Tag wieder zurückbringen würde. So war es um Silvester herum schon einmal passiert. Damals waren alle sechs Stühle im Laufe des nächsten Tages wieder aufgetaucht und keiner hat sich beschweren können, zumal unsere Küche sowieso nicht fürs Feiern genutzt wurde.

Letztlich handelt es sich bei dieser ungefragten Art von »Ausborgen« auch nicht um mafiöse Strukturen, sondern um eine Art Ritual im Wohnheim: Fehlen bei einem feucht-fröhlichen Küchenabend Sitzgelegenheiten, stibitzt man ein paar aus der nächstgelegenen, verwaisten Küche. So ist es auch Gang und Gäbe, einfach in eine fremde Küche reinzuspazieren und die dortige Mikrowelle zu benutzen, vermutlich, weil die eigene Küche nicht so gut ausgestattet oder einfach nur verdreckt ist. Soweit ist das auch überhaupt kein Problem. Wir haben diese Taktik schließlich auch allzu oft angewendet. Jedoch haben wir die Stühle noch in der Nacht selbst oder zumindest am nächsten Tag zurückgebracht. Unseren Nachbarn fehlt es anscheinend an dieser Vernunft, die eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein sollte, denn unsere Stühle sind nach zwei Wochen immer noch nicht wiederaufgetaucht. In der Zwischenzeit behelfen wir uns mit den Stühlen aus unseren eigenen Zimmern, was auf Dauer aber leider keine Lösung darstellt.

Vermutlich werden wir uns demnächst auf einen Rache-Raubzug begeben müssen und alle Küchen des Hauses abklappern, um unsere vermissten Stühle wiederzufinden. Wenn irgendwo zu viele stehen, dürfte das relativ schnell auffallen, da bei uns im Wohnheim allgemein ein eklatanter Stuhlmangel herrscht. Als ich beispielsweise dort einzog, fand ich in unserer Küche gerade einmal zwei Sitzmöglichkeiten vor, die ich durch Nachfrage beim Hausmeister glücklicherweise aufstocken konnte. Eine ähnliche Vergeltungsaktion wie jene, die uns mit den Stühlen bevorsteht, mussten wir bereits schon einmal ausführen, als auf mysteriöse Weise unser Backblech verschwunden war. So eine Nacht-und-Nebel-Aktion kann ja auch ganz witzig sein, dennoch wäre es schon angebrachter, würden die Verantwortlichen ihr »Diebesgut« selbst zurückbringen.

Hoffentlich blieb Fabians Küche in unserem Wohnheim verschont von derartigen »Ausleihaktionen« und er kann Euch nächste Woche in sitzender Position von seinen WG-Geschichten berichten.

Schreibe einen Kommentar