Zehn Worte, die eine Musik beschreiben

In Zeiten des Internets und von digitaler Musikproduktion ist es leicht, eigene Songs zu veröffentlichen und in relativ kurzer Zeit ein Vermögen zu verdienen. Die langfristige Beständigkeit solcher schnell produzierten Musik im Zeitalter von DJs bleibt dabei oft auf der Strecke. SCHILLER geht diesen Weg nicht und hat damit seit über zwanzig Jahren Erfolg. Nun geht das Musikprojekt auf große Jubiläumstour. Die Vorstellung einer Musik, die eigentlich nicht zu beschreiben ist.

von Yvonne Mikschl

»Wenn man längerfristig als Musikkünstler Erfolg haben möchte, ist es sehr ratsam, dass man weiß, was man tut.« Weise Worte, die in der heutigen Musikwelt leider zu oft in Vergessenheit geraten. Die Versuchung, das schnelle Geld mit einem großen Hit zu verdienen, ohne weiter in die Zukunft zu sehen, ist groß. Dass man in der Musikbranchen heutzutage durchaus weiterdenken kann, zeigt ein Musikprojekt, das im Dezember sein zwanzigjähriges Bestehen feierte: SCHILLER. Nein, nicht Johann Christoph Friedrich von Schiller, der bekannte deutsche Dichter, sondern ein 1998 von Mirko von Schlieffen und Christopher von Deylen gegründetes Musikprojekt. Nach Differenzen gingen die Wege der beiden 2003 in andere Richtungen und von Deylen führt seitdem alleine das Musikprojekt fort.
Angefangen hat der Erfolg SCHILLERs mit der Hitsingle Das Glockenspiel. In den folgenden zwanzig Jahren erschienen Alben, die sich genretechnisch nicht in eine Schublade stecken lassen. Oder um es in den Worten des erfolgreichsten Elektronikmusikers Deutschlands zu formulieren: »Mein Name ist Christopher von Deylen und ich bin SCHILLER.« Zehn Worte, die eine Musik beschreiben, die eigentlich nicht zu beschreiben ist. Trotzdem: Grob lässt sich SCHILLER als instrumentale elektronische Musik, bestehend aus einer Mixtur von Ambiente, Trance, Dance und Pop, definieren. Inspirationen holt sich von Deylen, der seinen festen Wohnsitz in Berlin vor circa fünf Jahren aufgegeben hat, auf Reisen durch die Welt: für das Album Tag und Nacht reiste er mit dem Auto von Berlin bis nach Kalkutta, Atemlos entstand auf dem Forschungsschiff Polarstern, das die Arktis durchquerte. Dieses doch sehr undefiniert erscheinende Konzept ging auf: über sieben Millionen verkaufte Alben weltweit und zwei Mal Platin, fünf Mal Gold und einen Echo. Wer bislang meinte, dass SCHILLER nach zwanzig Jahren einen Schlusspunkt setzt, der irrt sich. Morgenstund, Ende März erschienen, ist sein elftes Studioalbum und bezeichnet nicht etwa die ersten Stunden eines neuen Tages, sondern ist eine Metapher für einen stetigen Neuanfang. Auch für dieses Album, das von seinen Reisen im Iran beeinflusst wurde, hat sich Christopher von Deylen wieder Gastkünstler in das Hotel SCHILLER eingeladen. Neben Yalda Abbasi, die dem Lied Das goldene Tor eine orientalische Note verleiht, ist in mehreren Tracks ein persisches Instrument zu hören, das in Teheran eingespielt wurde. Doch auch Künstler wie der Gitarrist Scott McKeon, die Sängerin Trisha McTeague oder der «Godfather of Dance Music» Giorgio Moroder sind auf dem Album zu hören, wobei der Titelsong von der deutschen Sängerin Nena gesungen wird. Morgenstund wurde unter anderem im The-Farm-Studio in Südengland aufgenommen, das als Aufnahmeort für Genesis und Phil Collins diente. Alles in allem ein durchaus interessantes Album. Christopher von Deylen ist keiner der Künstler, die nie Konzerte geben – im Gegenteil. Erst 2017 gastierte SCHILLER mit seiner Klangwelten-Live-Tour in Regensburg. Mit diesem sehr auf instrumentale Stücke reduzierten Programm gelang es ihm übrigens, als erster westlicher Künstler seit der Islamischen Revolution im Dezember 2017 und Januar 2018 mehrere Konzerte in Teheran zu spielen. Zu jedem neuen Album gibt es die passende Live-Tour, so auch zu Morgenstund. Die Eswerde Licht-Tour gastiert in den großen Hallen Deutschlands wie der Olympiahalle München am 21. Mai oder der Arena Nürnberger Versicherung in Nürnberg am 11. Mai und wird wie die letzte Arenatour mit ihrer Symbiose aus Licht und sphärischen Klangwelten überzeugen. Ein Besuch der Konzerte ist jedenfalls sehr zu empfehlen. Tickets und mehr Informationen zu SCHILLER findet man unter http://www.schillermusic.com/.

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