Am Dienstag im Studikino | Bohemian Rhapsody

Er hat vier Oskars gewonnen, gilt als eine der erfolgreichsten Musikfilmbiographien aller Zeiten und belegte in mehreren Ländern Platz eins der Kino-Charts: Die Rede ist von Bohemian Rhapsody. Nachdem die filmische Hommage an den Sänger der weltweit bekannten britischen Rockband Queen, Freddie Mercury, bisher um die 3,5 Millionen Menschen in die deutschen Kinos gezogen hat, war es nur eine Frage der Zeit, dass auch die Besucher des Studikinos in den Genuss dieses mitreißenden und aufwühlenden Filmdramas kommen. Ein Stück Kinogeschichte, das vor allem eines schafft: Jeden zum Queen-Fan machen.

Von Lotte Nachtmann

»Du wirst ein schwieriges Leben haben, Freddie«, sagt Mary Austin, Freddie Mercurys langjährige Lebensgefährtin und bis zu seinem Tod engste Freundin, als dieser ihr gesteht, er sei bisexuell. Zu diesem Zeitpunkt ist Queen bereits weltbekannt, feiert einen Studioerfolg nach dem nächsten und füllt die Stadien auf der ganzen Welt. Bohemian Rhapsody beginnt seine Geschichte aber schon, als Freddie Mercury noch am Londoner Flughafen Heathrow Koffer umlädt und fasziniert am Bühnenrand steht, wenn Smile, die Gruppe seiner späteren Band-Kollegen Roger Taylor und Brian May, spielt. Der Zuschauer erlebt in den folgenden zwei Stunden, wie diese drei jungen Männer, ergänzt durch den Bassisten John Deacon, zu Queen werden, einer der erfolgreichsten Rockbands aller Zeiten. Der Film hangelt sich dabei an den musikalischen Hits der Gruppe, wie Killer Queen, natürlich Bohemian Rhapsody, Love of my Life, We will Rock You oder I want to Break Free entlang. In erster Linie zeigt die Filmbiographie aber das Leben der Rock’n-Roll-Diva Freddie Mercury: sein exzentrisches, einem balzenden Pfau ähnelndes Bühnenverhalten, seine Akribie im Studio, seine nervenaufreibenden Streitereien mit Roger Taylor, bei denen schon einmal fast Kaffeemaschinen fliegen. Und dieses Leben ist eben wirklich nicht einfach. Bohemian Rhapsody geht nämlich auch eindrücklich auf die Schattenseiten seines Star-Lebens ein: Drogen, Alkohol, ausschweifende Partys, sein Hadern mit seiner Sexualität, vor allem aber seine Zerbrechlichkeit und letztlich Einsamkeit, die man dem begnadeten Performer auf der Bühne nie ansehen würde. So bleiben von Bohemian Rhapsody neben der Nachstellung des legendären Auftritts der Band beim Live-Aid-Konzert 1985 auch die Szenen im Kopf, in denen Queen und Freddie selbst beinah zerbrechen.

Bohemian Rhapsody hat nicht den Anspruch chronologisch korrekt zu sein

Hollywood ist nicht immer realistisch. Und so ist es auch Bohemian Rhapsody nicht. Neben vier Oscars, zahlreichen weiteren internationalen Filmauszeichnungen, phantastischen Bewertungen vor allem Rami Maleks schauspielerischer Leistung als Hauptdarsteller und einem weltweit großen Andrang in den Kinos, musste das biographische Filmdrama rund um Freddie Mercury und die legendäre Rock-Band Queen auch Kritik einstecken: Die Macher des Films hätten einige historische Details ordentlich durcheinandergebracht, manche prägenden Elemente aus Freddies Leben gar nicht erst erwähnt, wie zum Beispiel seine enge Beziehung zu der österreichischen Schauspielerin Barbara Valentin, oder gerade seine sexuellen Eskapaden familienfreundlich verharmlost. Wer sich einmal ein wenig intensiver mit der tatsächlichen Bandgeschichte und der Biographie Freddie Mercurys beschäftigt hat, erkennt sofort, dass Bohemian Rhapsody gerade auf chronologischer Ebene einige Ungereimtheiten enthält. Aber besitzt Kino nicht auch eine gewisse künstlerische Freiheit? Wer eine exakte Widergabe der historischen Ereignisse verlangt, der soll sich doch bitte einfach eine der vielen Queen-Dokumentationen anschauen und Bohemian Rhapsody nicht nach einem Anspruch kritisieren, den der Film überhaupt nicht hat. Er hatte nie die Intention, genau am Zeitstrahl entlang gezogen Freddie Mercurys Leben und die Geschichte der Band nachzuzeichnen. Und das wäre in 135 Minuten auch überhaupt nicht möglich gewesen.

Ein Film zum Jubeln und Mitsingen

Bei Bohemian Rhapsody ging es um vielmehr als um bloße biographische Dokumentation, es ging um die Vermittlung eines Gefühls von Musik und für Musik, das Freddie Mercury und die anderen Queen-Mitglieder gelebt haben. Bei allem Glitzer, den Federboas und Freddies divenhaftem Auftreten, ging es dem Performer letztlich nur um eines: um sein Publikum. »Wir sind vier Außenseiter, die überhaupt nicht zusammengehören. Und wir spielen für andere Außenseiter, die Ausgestoßenen, ganz hinten im Saal, die vollkommen sicher sind, dass sie auch niemals dazugehören«, heißt es in der Szene, in der Queen zum ersten Mal ihren zukünftigen Manager treffen. Genau das vermittelt Bohemian Rhapsody, so wie es jeder Queen-Song tut: das Gefühl dazuzugehören. Und wer die letzte Sequenz des Films, die wohl beste Rock’n’Roll-Performance aller Zeiten, auf der Leinwand sieht, hat tatsächlich fast das Gefühl dazuzugehören zu der jubelnden Menge im Wembley-Stadion in London. Als ich Bohemian Rhapsody das erste Mal gesehen habe, wollte ich fast aus meinem Kinosessel springen, um wie die vielen anderen Fans die Arme zu Radio Ga Ga in die Luft reißen oder einfach nur lauthals mitzusingen. Wer am Dienstagabend auch genau das gleiche Bedürfnis hat, der sollte sich keinen Zwang antun und das Gefühl genießen, ein Queen-Konzert zu besuchen.

Das Studikino zeigt Bohemian Rhapsody am Dienstag, 07. Mai, ab 20 Uhr im Hörsaal 16 (Wirtschaftsgebäude).

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