Mit allen Wassern gewaschen

Der Alltag in Mehrfamilienhäusern kann eine Herausforderung sein. Das ist er schon in den
eigenen vier Wänden. Richtig abenteuerlich wird es aber erst in den Räumlichkeiten des Hauses, die
man sich mit den anderen Bewohnern teilt.

von Lena Alt

Gemeinschaftsräume sind ein Traum. Meinen Erfahrungen nach zu urteilen leider eher ein
Albtraum. In meinem Fall betrifft das glücklicherweise nur die Waschküche. Schlimm genug, muss
ich leider sagen. Der Waschkeller des Hauses, in dem ich wohne, beherbergt zwei Waschmaschinen
und einen Trockner. Eines dieser Geräte ist meistens bereits aus technischen Gründen nicht
benutzbar. Die Hausverwaltung findet, dass das auch reichen muss für die gefühlt vierhundert
Parteien, die in dem Haus wohnen. Ganz so viele sind es wahrscheinlich nicht. Ich habe die
Klingelschilder nie gezählt. Selbst wenn ich aber wohlwollend mit einhundert Wohnungen rechne,
die ihre Waschtage gleichmäßig auf die Wochentage verteilen, sind das immer noch vierzehn
Personen pro Tag, die hier ihre Wäsche waschen wollen. Da herrscht also reger Betrieb, sollte man
meinen. Mysteriöserweise habe ich da unten erst zweimal ein menschliches Wesen getroffen.
Wäscheberge hingegen zu genüge. Mindestens eine der beiden Waschmaschinen ist meistens belegt,
wenn ich meine Wäsche waschen möchte. Mit Glück funktioniert die andere, dann ist mein Tag
eigentlich schon gerettet. Ist das nicht der Fall, merke ich mir die Zeit, die die andere Maschine
noch laufen soll. Ganz geduldig warte ich mit meiner Schmutzwäsche in meiner Wohnung und
breche pünktlich wieder gen Keller auf. Oft genug ist es schon vorgekommen, dass ich zu langsam
bin und noch jemand seine Wäsche dazwischenschiebt. Mit dieser Art Niederlage kann ich
inzwischen ganz gut umgehen: Ich trage dann meine Wäsche ein zweites Mal wieder nach oben,
erkläre mein Waschvorhaben für gescheitert und starte Netflix.
Diese ganze Odyssee hat inzwischen dazu geführt, dass ich eine dieser unangenehmen Personen
geworden bin, die, wenn sie einmal eine Waschmaschine erobert hat, diese den ganzen Nachmittag
immer und immer wieder belegt. Das scheint tatsächlich Unmut zu erwecken, ich kann es ja
verstehen. Aber letztens wurde meine Schmerzgrenze überschritten. Ihr müsst wissen, dass ich
keine von denen bin, die die Waschmaschine mit einer Ladung füllt und dann auf einen
dreimonatigen Australientrip aufbricht, ohne sie wieder zu leeren. Wenn ich Wäsche in der
Trommel habe, stelle ich mir einen Timer. Sobald der abgelaufen ist, hole ich meine Sachen wieder
hoch. Neulich hat es trotzdem jemand geschafft, in den drei Minuten, die mich mein Weg in den
Keller kostet, meine Wäsche aus der Maschine zu nehmen und überall im Waschkeller zu verteilen:
Auf den Maschinen, dem Trockner und auf dem Boden. Schlimm genug, dass ich sie danach
nochmal waschen musste. Es ist einfach kein schönes Gefühl zu wissen, dass ein wildfremder Mensch
die eigene Unterwäsche angefasst hat. Aber vielleicht bin ich da auch komisch.
Als ich meinem Bruder davon erzählt habe, hat er nur müde gelächelt. In dem Haus, in dem er
wohnt, scheint das auch nicht anders zu laufen. Er wusste sogar noch zu berichten, dass in seinem
Waschkeller von Zeit zu Zeit alles von einer Mutter belegt ist, die extra anreist, um ihrem Kind die
Wäsche zu waschen. Zumindest das ist bei mir noch nicht passiert. Aber vielleicht habe ich das
auch einfach nur nicht gemerkt. Denn in meinem Wohnhaus weiß man einfach nie. Ich bin schon
gespannt, was mir als Nächstes passiert. Bis dahin gibt es Neues aus einer anderen Ecke
Regensburgs.

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