Wer radelt so spät durch Nacht und Wind …?

… ich leider nicht. Wer im Kasernenviertel wohnt, muss wohl alles einsperren, was nicht niet- und nagelfest ist. Das musste ich leider bitterlich erfahren.

Von Lena Alt

Es ist der erste frühlingshaft anmutende Tag dieses Jahres und ich verlasse in bester Laune meine Wohnung, um zur Arbeit zu radeln. Endlich mal wieder. Den ganzen Winter stand mein Fahrrad zwischen den anderen Rädern vor dem Haus. Traurig schaute es mir nach, als ich es eingeschneit stehen ließ, um mit dem Bus zur Uni zu fahren; vorwurfsvoll, wenn ich es zugunsten meines Autos verschmähte. Und heute, endlich, werde ich es wieder benutzen. Der Schlüssel steckt schon im Schloss, als mir etwas auffällt, was meine ganze Frühlingsstimmung sofort dahinrafft: Mein Vorderreifen fehlt. Ihr müsst wissen, dieses Fahrrad ist schon sehr alt. Und klapprig. Die Lichter funktionieren nicht mehr, die Bremsen auch kaum, von der Gangschaltung ganz zu schweigen. Der Fahrradkorb ist vermutlich das nützlichste daran. Aber es ist eben doch mein Fahrrad, auf dem ich mich schon so oft den Galgenberg hochgekämpft habe und das mich auf dem Heimweg in Windeseile wieder hinunter getragen hat — ein waghalsiges Unternehmen ohne zuverlässige Bremsen. Ich kann es kaum glauben. Ihr werdet lachen, ich taste sogar mit meiner Hand, ob das Rad nicht vielleicht doch da ist. Fluchend stelle ich fest, dass ich inzwischen sehr spät dran bin, vor allem da ich nun zu Fuß zur Arbeit muss.

In meiner Pause schreibe ich dann meinem Freund und Mitbewohner, der zur Zeit auswärts sein Praktikum macht, von meiner Fassungslosigkeit. Ganz der Gentleman bietet er an, dass ich auch gerne sein Fahrrad benutzen darf. Als ich nach Hause komme, schaue ich deshalb pro forma in Richtung seines Fahrrads, das etwas abseits an einen Baum geschlossen ist. Ein, ähnlich wie meines, sehr altes und klappriges Fahrrad. Schon wieder traue ich meinen Augen kaum: Auch sein Vorderreifen fehlt. Sorgfältig begutachte ich auch die vielen anderen Fahrräder, ob noch jemand unser Schicksal teilt und wir es hier mit einem gemeinen Vorderreifen-Massendiebstahl zu tun haben. Aber nein. Es betrifft tatsächlich nur uns. Im Ernst? Wer klaut kaputte Fahrradvorderreifen von kaputten Fahrrädern, wenn unzählige bessere Räder schlechter abgesperrt drum herum stehen? Was sollen wir denn nun mit diesen Halbrädern tun? Wir könnten versuchen, uns ein Tandem zu bauen, aber auch dazu bräuchten wir mindestens einen Vorderreifen. Inzwischen ist das Fahrrad meines Freundes komplett weg (Noch so eine Frage: Wer klaut ein halbes kaputtes Fahrrad?!), also haben wir noch genau einen funktionierenden Reifen. Entweder wir finden einen magischen Fahrradladen oder wir bewegen uns ab sofort auf dem Einrad fort. Wenigstens ist mein Fahrradkorb noch da.

Aber während wir weiter brainstormen, wie wir den Regensburger Fahrradfrühling doch noch nutzen können, gebe ich für die nächste Woche ab in das wohl katholischste Wohnheim, das diese Kolumne zu bieten hat.

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