Für immer in der Pflanzenhölle

Pflanzen sind schon toll: Sie hübschen die WG auf, verbreiten grüne Lebensfreude und sorgen für das kleine bisschen Extra. Auch viele meiner Kommilitonen begeistern sich für die grünen Dinger. Okay, ich gebe es ja zu: So ein Studentenzimmer wirkt mit Zimmerpflanze bunter und lebendiger. Doch glaubt mir, wenn ich sage: Ich habe Gründe, wieso ich mir nie wieder eine Pflanze für mein WG-Zimmer schenken lassen möchte …

Von Kati Auerswald

Ich hatte ihn noch nie: Diesen »grünen Daumen«, von dem immer die Rede ist. Aus diesem Grund habe ich mir auch noch nie selbst eine Pflanze gekauft – ich würde niemals auf diesen absurden Gedanken kommen. Zum Einzug hatte mir meine Mutter eine Stechpalme mit den Worten: »Die hat vorher über sechs Monate lang bei unserer Nachbarin im Keller gestanden. Diese Pflanze kann nicht kaputt gehen – nicht einmal, wenn du dich um die kümmerst! « geschenkt. Mutige Worte – selbst für die eigene Mutter, bei der man ja meinen müsste, sie würde ihre Tochter gut genug kennen. Und wohlgemerkt: Die Stechpalme stand in einem wirklich sehr dunklen und feuchten Loch von Keller, wie aus einem Horrorfilm entsprungen. Besagte Stechpalme sah monatelang kein Tageslicht, keine Sonne, geschweige denn Wasser. Und trotz alldem hatte sie überlebt.

Kaum stand sie in meinem bescheidenen – nicht gerade kleinen – WG-Zimmer, begann ich, sie umzustellen. Jede Woche. Warum? Weil sie haufenweise Blätter verlor, wie mancher Mensch Haare! Und dann war da diese Sache mit dem Gießen … »Wie oft muss die eigentlich gegossen werden? «, hatte ich vorsorglich noch meine Mutter gefragt. Sie ist sowas wie ein Pflanzen-Guru – sie kennt alles, was grün ist, beim Namen und weiß für jedes Gewächs passende Methoden, Techniken und sogar »Medizin«! »Na, immer, wenn die Erde trocken ist.«, meinte sie deshalb nur Schultern zuckend. Klare Sache. Also bekam die gute Palme immer Wasser, wenn die Erde trocken war. Die Reaktion der Pflanze? Sie verlor noch mehr Blätter. Bis zwei Monate später kein einziges mehr dran war. Zu viel gegossen? Kann ja nicht sein! Aber vielleicht gefällt ihr ihr Platz nicht… Also stellte ich sie zum wahrscheinlich zehnten Mal um. Diesmal neben meine Zimmertür – ein Platz, an den weder Heizungsluft noch Zugluft hinkam und wo das Tageslicht immer zuverlässig direkt auf die Pflanze schien. Besser hätte es dieses grüne Etwas doch gar nicht haben können, oder?

Tja, falsch gedacht: Keine vier Wochen später begannen auch noch die Äste der ohnehin schon kahlen Palme auszudörren und ich gab es endgültig auf mit dem »Grünen Daumen«. Es war das letzte grüne Lebewesen, das fast ganze drei Monate lang all meine Liebe, Zuwendung (und nicht zu vergessen Wasser und Tageslicht) bekommen hatte. Und wie dankt es mir? Indem es beschließt, zu sterben. Dabei schwöre ich, alles »richtig gemacht« zu haben: Nicht zu oft, aber auch nicht zu wenig oder selten gießen, die richtige Wassermenge beachten, die passende Raumtemperatur – habe ich was vergessen?

Wahrscheinlich komme ich für diese grausame Tat für immer in die Pflanzenhölle, wo ich von all den zahlreichen Pflanzen, die ich in meinem bisherigen Leben bereits getötet habe, gejagt und heimgesucht werde. Welche Lektion mir seitdem jedoch bleibt: Ich bitte jeden aus meinem Familien- und Freundeskreis explizit, mir bitte niemals (wieder) eine lebende Pflanze zu schenken. Noch einen Namen mehr auf der ohnehin schon unendlich langen Liste der toten Pflanzen kann ich einfach nicht ertragen!

Nächste Woche berichtet euch wieder Lotte von den Erlebnissen aus ihrer WG.

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