Der Große Preis vom RVV

Die Inflation macht auch vor den Betonmauern der Uni keinen Halt: Der Preis für das Semesterticket steigt wieder an. Was steckt eigentlich dahinter?

von Lena Alt

Ich fühle mich alt: Als ich mein Studium in Regensburg begonnen habe, hat das Semesterticket
noch rund 87€ gekostet. Dieses Semester erhöhte sich der Beitrag schon auf 92,50€. Vergangene
Woche wurde bekannt gegeben, dass der Preis bis zum Wintersemester 2021/22 sukzessive auf
103€ angehoben wird. Das bedeutet einen prozentualen Preisanstieg von etwa 18% in fünf
Jahren, was —hoffentlich— weit über der erwarteten Inflationsrate liegt. Da stellt sich dem
chronisch klammen Besitzer des studentischen Geldbeutels verständlicherweise die Frage, ob er
denn wohl auch was davon hat.

Und tatsächlich, die Preiserhöhung ist keine reine Schikane des RVV, sondern Ergebnis von
Verhandlungen des Studentenwerks Niederbayern/Oberpfalz, den Studierendenvertretungen von
Uni und OTH mit den Regensburger Verkehrsbetrieben. Die studentische Seite am
Verhandlungstisch erreichte eine Weiterentwicklung des Geltungsbereichs des Semestertickets:
Ab dem kommenden Sommersemester deckt es eine Fläche ab, die von Neumarkt im
Nordwesten, Sulzbach-Rosenberg im Norden, Neustadt im Südwesten und Straubing im Südosten
reicht. Das ist bayernweit immerhin der flächenmäßig größte Bereich, in dem ein Studententicket
gültig ist.

Diesen Status würde Regensburg freilich, aber sicherlich verschmerzbar, verlieren, wenn die
Forderung des Studentenwerks nach einem bayernweiten Semesterticket in der Politik Anklang
findet. Dieser Vorschlag wird auch vom AStA unterstützt. Der studentische Sprecherrat findet die
aktuelle Preiserhöhung zu hoch. Schließlich ist die bei chronischen Zuspätkommern so beliebte
Ausrede »Der Bus war zu spät« deshalb so wirksam, weil sie stimmt. Niemand kann einem genau
sagen, wann die Busse zur oder von der Uni fahren. Digitale Anzeigen geben sich zwar rege
Mühe, einem die voraussichtliche Abfahrtszeit des nächsten Busses zu verraten, aber die Busse
halten sich dann doch eher selten daran. Kommt dann doch einer an, stapeln sich die
Studierwütigen wie Ölsardinen hinein. Im Sommer ist das wegen der Hitze so schwer auszuhalten,
dass man sich nach winterlichen Temperaturen sehnt. Im Winter hingegen nimmt man die klirrende
Kälte beim Ausstieg gerne in Kauf, dankbar, den stickigen Bus verlassen zu dürfen. Und für diese
Tortur auch noch mehr bezahlen?
Aber, und das möchte ich dem RVV zugute halten, können wir Regensburger Studierende das
ganze Semester, inklusive der vorlesungsfreien Zeit, 24 Stunden die Woche über 100 Buslinien
und sechs Zugverbindungen nutzen. Sofern es eine Verbindung gibt, versteht sich. Das ist im
Vergleich mit Angeboten in anderen Universitätsstädten gar nicht mal schlecht.
Ich habe mich vom aktuellen Deal persönlich zuerst etwas benachteiligt gefühlt. Der Weg in die
elterliche Heimat führt mich über München. In diese südliche Richtung hat sich bisher keine
Erweiterung des Geltungsbereichs angekündigt. Allerdings laufen die Verhandlungen mit den
Verkehrsträgern rund um Landshut. Auf dem Plan stehen mögliche Erweiterungen bis Ergoldsbach
beziehungsweise Neufahrn. Ich bin gespannt, welches Ergebnis diese Verhandlungen mit sich
bringen.

Bis dahin genieße ich den Herbst mit Cafeten-Glühwein, der übrigens auch teurer geworden ist.
Die Inflation macht nunmal vor gar nichts mehr Halt. Solange der Inhalt stimmt, kann das
studentische Budget einen geringen Aufpreis aber vielleicht verschmerzen.

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