Tauben, Staub und andere Poesie | Der 8. »Master of the Uni-Vers«

Am Montagabend fand bereits zum achten Mal der Poetry-Slam Master Of The Uni-Vers statt. Die Vorstellung im Audimax war restlos ausverkauft und somit gut besucht– einen so vollen Hörsaal bekommt man an einem Montag sonst eher selten zu Gesicht. Die Veranstaltung gestaltete sich sehr kurzweilig, obwohl sie knapp dreieinhalb Stunden dauerte. Das war vor allem dem abwechslungsreichen Programm zu verdanken: Von Tauben, Redewendungen, Seefahrern und Umweltschutz bis hin zu dem Drang sich mit anderen zu vergleichen, waren die unterschiedlichsten Themen vertreten. Zu den Teilnehmern zählten Fabian Navarro, Helene Bockhorst, Vincent Pfäfflin und David Friedrich. Mit Alex Burkhard war zudem der amtierende deutschsprachige Poetry-Slam-Meister zu Gast. Mit Elena Hammerschmied ging eine regionale Kandidatin an den Start. Durch den Abend führte Hazel Brugger.

Die Stimmung des zum Großteil studentischen Publikums ist ausgelassen, es herrscht eine angenehme Feierabend-Atmosphäre: Noch bevor Personen die Bühne betreten, werden Sätze an die Wand projiziert, um die Zuschauer bereits auf den Abend einzustimmen. Mit Erfolg:  das Auditorium applaudiert bereits und es folgen die ersten Lacher. Schon hier merkt man: Alle haben Lust auf die Show und warten gespannt auf die Beiträge der Moderatorin und der Kandidaten. Im Anschluss spielt eine bisher namenlose Band zwei Songs. Diese begleitet den ganzen Abend und leitet von einem Auftritt zum nächsten über. Hazel Brugger nimmt die Moderation souverän in die Hand. Sie geht humorvoll auf Regensburger Eigenheiten ein, wie die Ladenkultur in Regensburg, wo es einfach alles zu finden gibt, aber auch auf das Video »Rubbishbona« der Medimeisterschaften Regensburg. Zur Belustigung tragen vor allem die Anspielungen an den Sänger der Band bei, den sie selbst aber anscheinend nicht verstehen kann, weil er bayrisch spricht. Gekonnt animiert sie das Publikum dann zum klatschen, indem sie eine Applaus-Skala von eins bis zehn durchspielt und die Zuschauer damit herausfordert.

Runde eins

Den Beginn des zentralen Programms macht Alex Burkhard, der amtierende deutschsprachige Poetry-Slam-Meister. In einem kürzeren Text stellt er sich die Frage »Wie schafft ihr das, in Bayern zu leben« und spricht dabei unter anderem von einer Basst-scho Gesellschaft und dem Polizeiaufgabengesetz. In einem weiteren Beitrag kritisiert Burkhard den Zwang Menschen miteinander zu vergleichen und sich aus diesen Gründen nicht festlegen zu wollen.
Der zweite Kandidat ist David Friedrich. Er belustigt das Publikum, indem er über Tauben und den vergeblichen Versuch, sie zu verscheuchen berichtet und erzählt dann von der Bemühung, das Leben in den Griff zu bekommen und wie diese Umstellung überspitzt verlaufen kann.
Die regionale Teilnehmerin Elena Hammerschmid trägt einen Text über »Eileiter, Politik und Angela Merkel« vor. Der melodisch vorgetragene Text beschäftigt sich mit der Flüchtlingspolitik der Kanzlerin.
Fabian Navarro beginnt seinen Vortrag mit drei kurzen Gedichten über die Stufen der Trauer. Im Zentrum steht hierbei ein Lieferservice, der mit ihm Schluss gemacht hatte. Im folgenden Text »Nett sein ist uncool« plädiert er für eine nettere Welt. Nett sein löst zwar nicht alle Probleme, aber wenn man jemanden als Lauch bezeichnet und ihn somit als »gesund und vielschichtig« ansieht, ist das doch eine nette Vorstellung.
In seiner sehr langsam vorgetragenen Darbietung nimmt Vincent Pfäfflin gekonnt alle möglichen Redewendungen durch  einen witzigen Ansatz zur Herkunftsklärung und Bedeutung von Sprichwörtern auseinander. Diese belanglosen und zum Teil absurden Überlegungen bringen das Publikum an vielen Stellen zum Lachen.
Die letzte Kandidatin der ersten Runde ist Helene Bockhorst. Sie redet über das Selbstwertgefühl, die Vorteile einer schlechten Kindheit und zerlegt Tipps aus Sexratgebern. Ein Tipp zur Überwindung von schlechtem Sex: Handtaschen.
Es folgt die erste Abstimmung. Das Publikum darf per Applaus den ersten Teilnehmer für das Finale bestimmen. Dafür kommt Thomas Spitzer auf die Bühne , der den Abend hervorragend organisiert hat. Er wertet den Lärmpegel des Publikums aus, wonach mit David Friedrich der erste Finalist feststeht. Nach einer kurzen Pause folgt Runde zwei, in der die übrigen fünf Kandidaten nochmals um den letzten Platz im Finale kämpfen.

Runde zwei

Die Band spielt ein Lied, es liegt Pizza-Geruch in der Luft und so startet die zweite Runde. Die Reihenfolge der Kandidaten wurde umgedreht, so dass Helene Bockhorst nun den Anfang macht. Ihr Text handelt vom Fehler machen, was sie am Beispiel ihrer Nippelpiercings beschreibt. Sie will deutlich machen, dass man nichts tun sollte, nur weil man denkt, dass es anderen gefallen könnte.
Vincent Pfäfflin sorgt mit seinen Überlegungen zum Älterwerden, Sprudel im Wasser, dem überfordernden Pfandsystem und alltäglichen Einkaufserlebnissen erneut für ausgelassenes Gelächter.
Fabian Navarro wagt sich an eine Neuauflage von Max und Moritz. In ihren drei Streichen kämpfen sie gegen Fleischkonsum, Ausbeutung in der Textilindustrie und zeigen sich diskussionsfreudig.
Elena Hammerschmid berichtet mit ihren 18 Jahren über das Älterwerden und deklariert hierbei erst einmal alle über 35 Jahre als alt. Mit dem sich wiederholenden Satz »Nie ohne mein Team« versucht sie das Publikum zum Mitmachen zu animieren, was allerdings erst schleppend funktioniert.
Alex Burkhard macht das Leben eines Seemannes greifbar, indem er alle an den großen  Entdeckungen des 15. Jahrhunderts teilhaben lässt.
Der zweite Finalist soll nun bestimmt werden. Das Publikum macht mit seinem Beifall deutlich: Es will Fabian Navarro im Finale sehen. Jetzt folgt der Show-Down, in dem die zwei Finalisten David Friedrich und Fabian Navarro nochmals gegeneinander antreten und jeweils einen Text vortragen. Hazel Brugger heizt die Menge, wie über den ganzen Abend hinweg, erfolgreich an.

Das Finale

Den Anfang macht Fabian Navarro. Seine »Chroniken von Naja« handeln von Unsicherheit und dem Trend zu Selbstzweifeln. Dabei weist er auf die Gefahr hin, dass unsichere Personen dazu neigen können nach unten zu treten, um sich selbst besser positionieren zu können.
Der Text von David Friedrich handelt davon, sich Gedanken zu machen. Das macht er, indem er sich vorstellt, in der Zukunft zu leben und dann über die Vergangenheit nachzudenken, weil man ja im Nachhinein natürlich immer klüger ist. Er nimmt den Zuhörer mit auf eine Reise in die Zukunft, in eine Welt voller Hitze und Staub. Zurückschauend kritisiert er dann den Umgang der Menschen mit der Natur unserer Zeit. Er macht die Bequemlichkeit der Leute dafür verantwortlich und wirft ihnen vor, dass sie lieber auf sich selbst achten als auf größere Projekte wie den Umweltschutz.
Dieses Statement hat mit seiner bildlichen Vorstellbarkeit und der zugrundeliegenden Botschaft offenbar viele Zuschauer angesprochen, weswegen David Friedrich unter tobenden Applaus zum Gewinner des Abends gekürt wird und somit eine Flasche Whiskey gewinnt.

Zum Abschluss gibt die Band noch ein Lied zum Besten. Außerdem wird übriggebliebenes Essen vom Catering verschenkt, zur Freude vieler Studierender – ein kleiner Beitrag zur Nachhaltigkeit, an dem wir uns allerdings noch sehr viel mehr beteiligen können – man muss sich nur aufraffen!

9. Master Of The Uni-Vers

Der Termin für den nächsten Master Of The Uni-Vers steht bereits fest: Am 29. Oktober wird das Audimax wieder mit verschiedensten Beiträgen bereichert. Zu den Teilnehmern zählen Lisa Eckhart, Patrick Salmen, Quichotte, Sandra Da Vina und Andy Strauß. Moderiert wird der Abend abermals von der sympathischen Hazel Brugger. Der Vorverkauf startet im August. Schnell sein lohnt sich, bevor wieder alle Karten vergriffen sind.

Beitragsbild: Facebook-Seite der »Master of the Uni-Vers«-Veranstaltung

 

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