Mein Lieblingsbuch | Patti Smith – Just Kids

Der Autor Fernando Pessoa hat einmal gesagt: »Lesen heißt durch fremde Hand träumen.« Und weil Lesen einfach schön ist, haben wir einige Lautschrift-Redakteure nach ihren Lieblingsbüchern gefragt. Denn mal ehrlich: Es gibt doch nichts Besseres, als einen kühlen Märzabend mit einer Tasse Tee und einem guten Buch, eingekuschelt in eine warme Decke ausklingen zu lassen! Et voilà – viel Spaß beim Lesen!

»Where does it all lead? What will become of us? These were our young questions, and young answers were revealed. It leads to each other. We become ourselves.«

Amerika im Sommer 1967: Die heiße Luft war erfüllt von der Sehnsucht nach Frieden, von der prickelnden Elektrizität der Aufstände gegen das Grauen des Vietnam-Kriegs, von wilder Liebe, Freiheit und Kunst: Es war der Summer of Love und New York City schien wie die verheißungsvollste aller Städte- wild und ehrlich, schmuddelig und schön. Ein Mekka der Kreativität für Sinnsuchende, Künstler, Musiker, Poeten und Freigeister. In genau diese Welt führt uns die wundervolle Autobiografie »Just Kids«, die Geschichte zweier verwandter Seelen auf der Suche nach Sinn, dem Weg zur Kunst, auf der Suche nach sich selbst- es ist die Geschichte von Patti Smith und Robert Mapplethorpe.

Tiefe Ehrlichkeit und stets eine Prise Poesie

»Just Kids« ist nicht einfach nur eine Sammlung verblasster Erinnerungen an eine längst vergangene Zeit, es ist viel mehr als das: In ihrem Buch beschreibt Patti Smith mit tiefer Ehrlichkeit und stets dieser Prise Poesie, die sich in jedem Satz verbirgt, die Licht- und Schattenseiten des Künstlerdaseins, sie erzählt von kalten Nächten in New Yorker Parks, vom ständigen Hunger, den kleinen Lichtfunken der ersten Erfolge, von Spaziergängen durch das wilde, elektrisierende Manhattan der 70er Jahre, dem Leben im berühmten »Chelsea Hotel«, das später als temporäre Heimat für unzählige Künstler wie Leonard Cohen oder Janis Joplin berühmt werden sollte. Inmitten dieses intensiv und feinfühlig erzählten Strudels aus Eindrücken und Erzählungen steht die Beziehung zu Smiths langjährigem Lebensgefährten, dem Fotografen Robert Mapplethorpe, der mit seinen Arbeiten polarisierte und berührte zugleich. Schnell wird klar, dass Mapplethorpe und Smith nichts kitschiges, nichts überzogen romantisches verband, sondern vielmehr eine tiefe, unerschütterliche Beziehung, die jedes Auf und Ab im Leben beider überdauern sollte und dabei die Grundlage für das künstlerische Schaffen zweier miteinander verknüpfter Seelen bildete.

Patti Smiths »Just Kids« ist ein Buch für Träumer. Für die, die es noch werden wollen und die, die nie aufgehört haben es zu sein, für Nostalgiker, die eine Prise des New York der 60er erschnuppern möchten, für Rock’n Roll-Liebhaber (schließlich prägte Patti Smith mit ihrer Mischung aus Rock’n Roll-Rythmen und Lyrik das Musik-Genre ganz ungemein) und für alle, die im Herzen immer noch eines sind: »Just Kids«.

 

BEITRAGSFOTO: Sarah Marcinkowski

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