Und die Welt dreht sich trotzdem weiter

Donald Trump wird Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika, Untergangsvisionen und Horrorszenarien machen die Runde. Jetzt sollten wir vor allem eines tun: Tief durchatmen 

Von Maximilian Stoib 

Der Abend des achten November 2016 war einer dieser Abende, an denen man ungern ins Bett ging, weil man ahnte, dass die Welt am nächsten Morgen vielleicht eine ganz andere sein würde. So recht glauben wollte man das freilich nicht, aber ein mulmiges Gefühl blieb beim Einschlafen dennoch. Am Morgen ist man dann aufgewacht und hat ungläubig auf sein Handy gestarrt, auf das, was sich da vor einem in Push-Benachrichtigungen und Newsfeeds offenbart hat.

Donald Trump wird der 45. Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika. Dieser Satz klingt unwirklich, so schnell wird man sich nicht daran gewöhnen, dass er Realität geworden ist. Sämtliche Analysten, Experten und sonstigen Kaffeesatz-Leser haben sich geirrt: Das scheinbar Unmögliche ist zum Faktum geworden.

Fassungslosigkeit durchzieht die sozialen Netzwerke, die Medienwelt schaut ungläubig auf das Ergebnis einer Wahl, die wohl noch lange in Erinnerung bleiben wird. „Donald Trump Won. Now What?“, fragt die New York Times. „He Won. Now What Does Donald Trump Do?“, fragt die Washington Post. – Die USA scheinen noch nicht recht zu wissen, wie es jetzt weiter gehen soll mit der Welt, ihrem Land und dem neuen Mann an ihrer Spitze.

Der Untergang des Abendlandes? 

Vielerorts breitet sich blankes Entsetzen aus, die Stimmung erinnert an den Tag, als das Ergebnis des Brexit-Referendums bekannt wurde.

Vom „Sieg des Zerstörers“ schreibt Spiegel Online, von einer „Zäsur für die USA und die Welt“ Stefan Kornelius von der Süddeutschen Zeitung, von der „Verstümmelten Nation“ die Frankfurter Allgemeine. Jakob Augstein, derzeit Chefredakteur der Wochenzeitung „Der Freitag“ meint gar: „Die Wahl Donald Trumps ist das Ende des Westens.“

Wie geht es jetzt also weiter? Was soll man tun? Sich den Untergangsvisionen hingeben und letztlich an ihnen verzweifeln? – Vielleicht. Vielleicht ist die Wahl Trumps ja wirklich das Ende des Westens, so wie wir ihn kennen. Vielleicht wird die Welt des 21. Jahrhunderts mit Trump ein noch unübersichtlicherer, chaotischerer und roherer Ort, als sie es ohnehin schon ist.

Vielleicht ist aber auch alles halb so schlimm. Vielleicht bedeutet Trumps Sieg nicht den Untergang des Abendlandes. Wer weiß?

Vielleicht ist das Beste und einzig Richtige, was es jetzt zu tun gilt, die Ruhe zu bewahren und sich zu sammeln. Die Welt hat nicht aufgehört, sich zu drehen, als Großbritannien sich für den Brexit entschieden hat, Europa ist noch nicht in Chaos und Anarchie versunken. Und auch wenn Donald Trump am 20. Januar 2017 das Amt des US-Präsidenten antritt, wird die Welt nicht aufhören, sich zu drehen.

Die USA werden einen Präsidenten erleben, der Entscheidungen trifft, vor denen es vielen graut, nicht nur in den Staaten selbst. Ändern kann das jetzt jedoch niemand mehr. Das heißt freilich nicht, dass man dem politischen Kurs dieses Populisten nicht entgegentreten soll. Aber eine Welle der blinden Panikmache, wie sie vor allem in den ersten Stunden nach dem Bekanntwerden des Wahlergebnisses um den Planeten schwappte, hilft niemandem.

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