Abschlepper vom Dienst

Ey Mann, wo is’ mein Auto? Die Uni hat einen neuen Abschlepper eingestellt. Die Lautschrift hat ihn getroffen.

Ey Mann, wo is mein Auto?

 

Es ist ein frühsommerlicher Tag, als Anny ihr Auto auf der Wiese am Parkplatz an der Universitätsstraße parkt. Nach einer Stunde will sie nach Hause fahren. Doch: Ihr Auto ist weg. Kein ausgeschildertes Parkverbot, kein Vermerk mit einer Nummer, die sie anru -fen könnte, kein Hinweis darauf, wo sich ihr Auto befindet. Über Umwege kann sie den Abschleppdienst erreichen. Ihr Auto bekommt sie zurück – mit 100 Euro weniger in der Tasche.

Im letzten Semester wurde so viel abgeschleppt wie noch nie

Anny ist nicht die einzige, die sich über den Abschleppdienst geärgert hat. Die Uni hatte verwaltungstechnische Probleme mit dem Unternehmen. Im letzten Semester wurde so viel abgeschleppt wie noch nie – zum Missfallen der Uni nicht immer rechtmäßig. Die Zusammenarbeit mit dem Abschleppdienst wurde beendet. Seit Mai dieses Jahres ist Franz Kilian für Falschparker zuständig.

Kilian erledigt seine Arbeit gut gelaunt und mit einem Lächeln auf den Lippen – obwohl er weiß, dass bei den Studierenden selten Freude aufkommt, wenn sie ihn auf dem Gelände sehen. »Wenn jemand falsch parkt und rechtzeitig wieder kommt, schleppe ich ihn nicht ab. Da sollen sich die Leute doch bedanken und weiterfahren«, sagt er. Sein Ziel ist es nicht, möglichst viele Autos wegzuschaffen. Er arbeitet nicht auf Provision und hat keine feste Vorgabe an Autos, die er täglich mitnehmen muss.

Er gibt sich Mühe, sagt Kilian, die Situation richtig einzuschätzen, wenn er auf ein falsch parkendes Autos trifft. »Ich achte immer darauf, ob der Motor erkaltet ist.« Falls die Motorhaube warm ist, fährt er erstmal weiter – vielleicht kommt der Fahrer ja gleich wieder. »Ich werfe auch einen Blick ins Seitenfach, ob vielleicht jemand in Eile vergessen hat, seinen Ausweis sichtbar hinzulegen«, meint Kilian.

Trotzdem: Um sicher zu gehen, schießt er immer Beweisfotos, bevor er zu Tat schreitet. Neulich hat eine Studentin einen Anwalt mitgebracht, als sie ihr Auto abholen wollte. Durch seine Bilder konnte er zeigen, dass er im Recht war. Er kontrolliert die Autos auch auf etwaige Kratzer oder abgefahrene Felgen, bevor er sie auf seinen Wagen lädt. Für Kilian wäre es nicht das erste Mal, dass Leute versuchen, aus der Situation Profit zu schlagen.

Die Uni macht kein Geschäft

Falschparker gibt es vor allem aus zwei Gründen: erstens die prekäre Parksituation. Zweitens, wissen viele Studenten scheinbar nicht, wo es erlaubt ist, zu parken. Beispielsweise darf nicht auf den begrasten Inseln der neuen PT-Parkplätze geparkt werden – dort findet Kilian die meiste Arbeit. Am Ende der Reihen ist es jedoch erlaubt, solange andere Fahrzeuge noch vorbeifahren können. Wo die Grenze liegt, entscheidet Kilian.

Eindeutig verboten sind für Studenten die »Reservierten Parkplätze«, die nicht immer ideal ausgeschildert sind, und natürlich absolute Halteverbote, Feuerwehrzufahrten, Behindertenparkplätze ohne Berechtigung, die Bushaltestelle und die freie Fläche vor den Notausgängen in der Tiefgarage.  Die Uni geht auch gegen Dauerparker vor, die vor allem im Winter einen Vorteil im trockenen Parkhaus sehen. »Solche habe ich schon mehrmals wegfahren müssen – nur um sie später an einer anderen Stelle wieder zu finden«, sagt der Abschlepper.

Die Uni macht kein wirkliches Geschäft durch Falschparker. Seit Mai 2013 kostet einmal Abschleppen 115 Euro. Davon gehen 104 Euro an das Unternehmen. Mit dem Rest versucht die Uni ihre Verwaltungskosten zu decken. Verglichen mit den Kosten außerhalb des Uni-Geländes ist das sogar recht günstig. Mindestens 250 Euro kostet es, wenn die Polizei das unberechtigte Parken ahndet.

In den letzten Monaten hat sich die Beschilderung verbessert und die Zahlen der abgeschleppten Fahrzeuge sind zurückgegangen. Anny hätte sich damals weniger geärgert, wenn es wenigstens einen Vermerk gegeben hätte, wie sie vorgehen muss, um ihr Auto zurückzubekommen. Auf der Wiese, auf der sie damals geparkt hat, die »Sichtwiese« beim Vielberth-Gebäude, liegen jetzt Steine – so kommt zumindest niemand mehr auf die Idee, sich dort hinzustellen.

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